Über eine ital. metr. Darstellung- der Cresccnüasage.
Ö9T
wohl überflüssig ist. Nur ein Wort möchte ich noch berühren.
V. 239 liest man Cotcsta scliucca a ti non sastifä „genügt nicht
für dich, ziemt sich nicht dir.“ Eben so 18“ a tuor teil clona a ti
non sastifane „ziemt nicht dir“. Man möchte anfangs an ein
Reflexivum sastifä denken; da aber anderswo sastifar unzweifelhaft
für satisfare, sodisfare steht, so glaube ich, dass dasselbe Wort auch
in den zwei angeführten Stellen vorliege; aus dem Begriffe „genügen,
entsprechen“ konnte sich nicht schwer der Begriff „sich ziemen“
entwickeln.
Der Reim bereitet dem Verfasser die grössten Schwierigkeiten.
Daher begnügt er sich oft mit blosser Assonanz (ezelsa : pensa
196—97, frazile: -abile 917 ff.); nicht selten wiederholt er dasselbe
Wort in gleicher Bedeutung (VV. 07—211, 309—611,
781—83, 789—93 u. s. w.) und diesem Zwange sind wohl auch
Formen wie alore (: lionore, valore 142; signore, remore 986) und
dimore (: signore, amorej statt allora und dimora, osi 92 und 481
für oso osa, parlai 996 für parlö (etwa parlä: mit, avera ?) und
die Betonung dornina 889, 1003 statt dömina zuzuschreiben.
Dem Metrum aufzuhelfen suchte ich nach Möglichkeit. Buchstaben
und Worte, welche die Handschrift bietet, aber als überflüssig
gestrichen werden können, sind durch Cursivsehrift kenntlich
gemacht; Ergänzungen stehen in Klammern. Wo nur durch Umstellungen
oder tiefer greifende Veränderungen das Versmaass herzustellen
war, theile ich am Fasse der Seite eine Vermuthung mit,
die natürlich nur als solche zu gelten hat. In diesen Fällen bediente ich
mich der toscanischen Form. Viele Verse sind noch ziemlich holperig,
theils weil der Hauptaccent in der sechsten Silbe auf einem einsylbigen,
wenig bedeutsamen Formworte ruht, theils weil derselbe neben
der vierten die siebente Sylbe trifft, wodurch der iambische Gang
leicht gestört erscheint. Hie und da wusste ich nur zu fragen: solche
Fragezeichen sollen nur die metrische Schwierigkeit andeuten.
Und nun lasse ich Bruchstücke aus dem Gedichte folgen, indem
ich nur noch bemerke, dass jeder Gesang mit einer Anrufung Gottes
oder der heiligen Jungfrau anhebt, und dass der Zusammenhang
zwischen den einzelnen Gesängen durch Hinweisung auf später zu
Erzählendes und früher Mitgetheiltes und durch Angabe der Zahl
des betreffenden Gesanges angedeutet ist.