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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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M  u  s  s  a  f  i  a

wenn  auch  auf  Kosten  der  metrischen  Genauigkeit,  bestrebt  ist.  Denn
alle  Verstosse  gegen  das  richtige  Versmaass,  welche  die  Handschrift
enthält,  auf  Rechnung  des  Verfassers  setzen  zu  wollen,  wäre  durchaus ­
  unstatthaft;  er  wird  zwar,  wie  manche  seiner  Genossen,  kein
Dichterund  auch  kein  sehr  geschickter  Verskünstler  gewesen  sein;
so  viele  und  so  leicht  zu  vermeidende  Verletzungen  der  metrischen
Regeln  hat  er  sich  aber  gewiss  nicht  zu  Schulden  kommen  lassen.
Dass  nun  ein  wenn  auch  bescheiden  bearbeitender  Abschreiber  sich
vor  Allem,  und  zwar  in  diesem  Falle  gleichsam  unbewusst,  an  den
Sprachformen  vergreift  und  dieselben  dem  eigenen  Idiome  näher  zu
bringen  sucht,  braucht  kaum  gesagt  zu  werden.  Und  so  mögen  viele
der  mundartlichen  Formen  der  Handschrift  eher  vom  Schreiber  als
von  dem  Verfasser  herrühren.  In  der  That  ist  manchem  hinkenden
Verse  schon  dadurch  zu  helfen,  dass  man  an  die  Stelle  des  Venetianischen
  das  Toscanische  setzt.  So  merkt  man  auch,  dass  innerhalb
der  Verse  die  dritte  Person  der  Verben  für  Singular  und  Plural  nach
mundartlicher  Gepflogenheit  gleiche  Form  hat,  während  im  Reime
die  zwei  Numeri  unterschieden  werden.  Ich  habe  überdiess  an  einigen
Stellen  bemerkt,  dass  wo  ave  vorkommt,  die  Erzählung  plötzlich  vom
Präsens  zum  Perfecte  übergeht,  aber  so  dass  das  Metrum  verletzt
erscheint  und  nur  durch  Wiedereinführung  des  Präsens  berichtigt
werden  kann.  Mir  scheint  daraus  hervorzugehen,  dass  der  Abschreiber
das  toscanische  Präsens  ave  (habet)  als  das  altnorditalienische  Perfect
ave  (habuit)  auffasste,  und  demnach  sich  bemühte,  auch  die  folgenden
Verba  mit  diesem  vermeintlichen  Perfecte  in  Einklang  zu  bringen.
Sieh  z.  B.  VV.  3ö0—51,  365—66.  Es  liessen  sich  vielleicht  manche
andere  Einzelnbeiten  auffinden,  welche  die  Ansicht  unterstützten,  dass
allerdings  schon  der  Verfasser,  der  kein  Toscaner  war,  manche  mundartliche ­
  Form,  besonders  wenn  ihn  die  Reimnoth  drängte,  angewandt
habe,  dass  aber  im  ganzen  und  grossen  er  der  allgemeinen  Schriftsprache ­
  viel  näher  als  die  mehrfach  modificierte  Göttweiher  Abschrift
gekommen  sei.
Aus  dem  Gesagten  erhellt  also,  dass  sowol  ein  Restitutionsversuch, ­
  welcher  darauf  ausginge,  dem  ganzen  Gedichte  ein  rein
toscanisches  Gepräge  zu  geben,  als  einer  der  dasselbe  durchaus  in’s
Venetianische  übersetzen  wollte,  bei  Reimwörtern  auf  die  grössten
Schwierigkeiten  stossen  würde,  und  das  Ergebniss  einer  Arbeit,
welche  fast  keinen  Vers  unberührt  Hesse,  wäre  in  beiden  Fällen  eine
            
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