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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Über  eine  ital.  metr.  Darstellung  der  Crescentiasage.

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dass  nicht  wenige  noch  heutzutage  gedruckt  werden;  andere
geriethen  früher  oder  später  in  Vergessenheit.  Unter  letztere  mag
auch  unser  Gedicht  gehören,  welches,  wie  gesagt,  selbst  bei  den
Zeitgenossen  einen  sehr  massigen  Erfolg  errungen  haben  wird.
Dass  die  Heimat  des  Verfassers  in  Venetien  zu  suchen  sei,
könnte  schon  aus  dem  Umstande  vermutlich  werden,  dass  er  die
vielfach  vorkommende  Erzählung  mit  den  Geschicken  der  Republik
dadurch  in  Verbindung  zu  bringen  sucht,  dass  er  die  Heldin  zur
Tochter  des  Dogen  macht.  Grössere  Beweiskraft  haben  Reime  wie
cazia  (cticcia)  :  regrazia;  procazo  :  solazo  pazo;  zonto  ponto:
pronto;  polida  :  guida  strida;  seno  (senno)  :  freno;  bela  stela:
loquela;  puto:  combiato  ;  vero  (vetro)  :  fero  u.  s.  w.  Trotzdem  ist
es  nicht  leicht,  sich  über  die  Sprache  des  ganzen  Gedichtes  ein
sicheres  Urtheil  zu  bilden.  Der  Handschrift,  welche  ein  buntes
Gemisch  von  veuetianischen  und  oft  eorrumpierten  toscanischen
Formen  bietet,  ist  nicht  viel  Glauben  beizumessen.  Denn  dass  sie
vom  Verfasser  nicht  herrührt,  lässt  sich  gleich  erkennen,  aber  selbst
für  eine  unmittelbare  Abschrift  aus  dem  Originale  wird  man  sie  nicht
6  ansehen  können,  wenn  man  das  gleichzeitige  Vorkommen  von  verschiedenartigen ­
  Fehlern  erwägt.  Einmal  findet  sich  darin  ganz
Sinnloses,  ein  mechanisches  Wiedergehen  von  unrichtig  gelesenen
t  Schriftzügen.  Nur  ein  Schreiber,  der  nichts  versteht,  und  sich  um
das  Verständniss  nicht  kümmert,  wird,  um  nur  ein  Beispiel  anzugehen, ­
  statt  Per  quelle  vaghe  strade  (strate?)  in  che  s  abaja
(nbbacjUuJ  Ogni  forese  die  Worte  Per  quelle  vache  stinle  in
chi  s'  ab.  schreiben  können.  Anderseits  kommen  ungemein  häufig
unnüthige  Füllwörter,.  Glosseme,  Wortversetzungen  u.  s.  w„  wie  sie
nur  ein  Schreiber  gebraucht,  der  einigen  Autheil  an  seiner  Arbeit
nimmt,  und  mit  Vorbedacht  seine  Vorlage  deutlicher  zu  machen,
i )  Ja  einzelne  solcher  Gedichte  scheinen  sich  selbst  im  Gedächtnisse  des  Volkes,
wenn  auch  in  gräulicher  Verstümmelung,  erhalten  zu  haben.  So  zeichnete
Widter  in  Asiago  nach  mündlicher  Mittheilung  einige  Verse  auf,  die  nichts  Ani
  deres  als  Bruchstücke  eines  derartigen  Gedichtes  in  ottava  rirna  sind.  Sieh  Wolf-Widter,
  Volkslieder  aus  Venetien  S.  76  und  dazu  Köhler  im  Jahrb.  für  rom.
Litt.  VI,  326  ff.  Widter  gibt  leider  seine  Quelle  nicht  näher  an;  aher  selbst
wenn  er,  wie  es  wahrscheinlich  ist,  diese  Verse  von  irgend  einem  Bänkelsänger
gehört  hat,  so  lässt  sich  daraus  die  Thatsache  einer  mündlichen  Überlieferung
ähnlicher  Gedichte  constatiren.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LI.  Bd.  III.  Ilft.

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