Mussafia, Über eine ital. metr. Darstellung- (1er Crescentiasage. 589
SITZUNG VOM 13. DECEMBER 1865.
Über eine italienische metrische Darstellung der Crescentiasage.
Von Adolf Mussafia,
a. ö. Professor der romanischen Philologie an der Wiener Universität.
Die Betheiligung Italiens an der mittelalterlichen Litteratur erhellt
durch die zahlreichen Veröffentlichungen, welche die neueste Zeit
brachte, immer deutlicher; und es wird bald an der Zeit sein,
die zerstreuten Mittheilungen zu vereinen und in ihrem Zusammenhänge
zu betrachten. Unter den verschiedenen Stoffen mussten jene
sich besonderer Beliebtheit erfreuen, welche dem religiösen Gefühle
des Volkes am besten entsprachen; und so ist es denn, dass die
volkstümliche Litteratur einen grossen Reichthum an Legenden
und legendenartigen Erzählungen aufweisen kann. Einen weiteren
kleinen Beitrag zu letzteren sollen nun folgende Blätter liefern.
Die Bibliothek des Benedictinerstiftes Göttweih bewahrt eine
Papierhandschrift, welche zwei italienische Gedichte in ottava rima
enthält, und zwar:
Fol. 1—113\ Queslo libro trata del ducha d' Angio et de
Costanza so mojer. 673 Ottave d. h. 3384 Verse.
Fol. 113"—133' 1 . Questo libro si e de Justo paladin e trata
de lafortuna. 227 Ottave d. h. 1816 Verse.
Eine kurze Analyse des zweiten Stückes — das uns hier nicht
mehr beschäftigen soll — findet sich bei Quadrio, Storia e ragione
d'ogni poesia IV, 171. Mehre Drucke verzeichnen Brunet, Melzi,
Libri u. s. w.