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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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1)  r.  Pfizmaier

Die  weisse  Farbe  ist  die  Kälte.  Ist  er  gleichförmig  weiss  und
trüb  gleich  dem  Reiswasser,  so  haben  sich  Feuchtigkeit  und  Hitze  in
dieses  verwandelt.

Bei  der  Anschauung  betrachtet  man  die  Farbe.  Durch  Fragen
erforscht  man  die  Beschaffenheit.  Wenn  der  herbeigerufene  Arzt  zu
dem  Bette  gelangt  und  man  sich  nicht  umsieht,  nicht  erschrickt,  oder
wenn  man  sicli  über  einen  Schmerz  beklagt,  aber  kein  leidendes
Aussehen  hat,  wenn  dabei  Farbe  und  Puls  in  richtigem  Verhältniss,
so  heuchelt  man  die  Krankheit  und  es  waltet  Betrug.
(Erklärung.)  Dies  ist  die  Weise,  hei  der  Farbe  und  bei  dem
Fragen  zu  beobachten,  ob  die  Krankheit  wahr  oder  verstellt.
Wenn  man  die  Farbe  aufmerksam  beobachtet,  kann  man
den  Sitz  der  Krankheit  erkennen.  Ohne  dass  man  fragt,  ist  man
nicht  im  Stande,  die  Beschaffenheit  der  Krankheit  zu  ergründen.
Es  gibt  keinen  Kranken,  der,  wenn  er  hört,  dass  der  Arzt  zu
seinem  Bette  gekommen,  sich  nicht  umsieht  und  erschrocken  sich  erhebt. ­
  Wenn  er  nicht  erschrocken  sich  erhebt  und  hinblickt,
so  ist  er,  wofern  er  nicht  gesund  ist,  gewiss  ein  stolzer  und
eigensinniger  Geselle.  Wenn  der  Kranke  sich  über  Schmerz  beklagen
sollte  und  der  Arzt  sein  Angesicht  betrachtet,  aber  nirgends  den
Ausdruck  von  Schmerz  oder  Leiden  entdeckt,  wenn  er  seine  Farbe
und  den  Puls  beobachtet  und  alles  in  richtigem  Verhältniss  ist,  so
heuchelt  jener  die  Krankheit  und  betrügt  den  Arzt.

Wenn  man  den  Puls  fühlt,  seufzen,  ist  ein  gewöhnlicher  Zug
des  Kranken.  Er  bewegt  das  Haupt  und  spricht.  Der  Ort,  den  er
erfasst,  ist  gewiss  schmerzhaft.  Er  spricht  dreimal  und  hält  dreimal
inne.  Bei  einem  Hinderniss  der  Sprache  ist  Schlagfluss.  Schlingen,
Ausspucken,  Blasen  und  Gähnen  sind  kein  Zeichen  von  Krankheit.
(Erklärung.)  Dies  ist  die  Weise,  nach  der  Stimme  und  der
Gemüthsbeschalfenheit  zu  beobachten,  ob  die  Krankheit  wahr  oder
verstellt  ist.
Wenn  der  Arzt  den  Puls  fühlt  und  der  Kranke  seufzt,  so  ist  dies
deswegen,  weil  er  von  der  Krankheit  gequält  wird.  Es  ist  dies  eine
            
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