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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Brunne  r

War  die  definitiva  sententia  dem  Königsgerichte  Vorbehalten,
so  wurde  an  dieses  ein  Inquisitionsprotokoll  geschickt  und  die  Thätigkeit
  des  Untersuchungsgerichtes  war  zu  Ende.  War  es  nöthig,  dass
der  Beklagte  sich  noch  vor  dem  Königsgerichte  äussere,  so  hatte  er
über  sein  Erscheinen  Bürgschaft  zu  leisten.  „Post  hoc  testimonium
dedit  Odalhartus  wadium  Folcroho  misso,  nt  esset  pnratus  in  praesentia
  domni  imperatoris  in  placito  generali  iusticiam  faciendi
Neugart  ISO,  N.  159.

4.  Das  Urtheil.
Lag  kein  derartiger  Vorbehalt  vor,  so  befahl  der  Richter,  Missus
oder  Graf,  nach  Schluss  der  Inquisitio  den  Schöffen,  ihm  auf  Grund
derselben  das  Urtheil  zu  finden.  „Quam  ob  causam  jussit  praedictus
missus  legem  inter  eos  decrevisse.  Inprimis  Kisalhardus  publicus
judex  sanxit  juxta  legem  Bajowariorum  ad  justitiam:  Meich.
N.  470.  —  „Tune  Ernst  comes  regalem  multitudinem  vidgique
summam  interrogavit  quid  justitiae  esset  peragendum“  :  Meie  he  lh.
N.  702.  —  „Interrogavit  ipse  comes  illos  scabinos  quid  illi  de  hac
causa  judicare  voluissent“:  Goldast  form.  99.  An  die  zuletzt  angeführte ­
  Ui'theilsfrage  schliesst  sich  folgendes  Urtheil  an:  „At  illi  (scabini)
  dixerunt:  Secundum  istorum  hominum  testimonium  et  secundum ­
  vestram  inquisitionemjudicamus,  ut  sicut  divisum  et  finituni
est  et  terminis  positis  inter  ipsos  mansos,  ut  isti  homines  illorum
propriumhabeantabsque  ullius  contradictione  inperpetuum  et  quod
in  dominico  dictum  et  terminis  divisum  coram  testibus  fuit,  receptum
  sit  ad  partem  domini  nostri.“  Das  Urtheil  ist,  wie  man  aus  diesem ­
  Formular  ersieht,  einzüngig  und  nimmt  Bezug  auf  den  vom  Grafen
aufgenommenen  Inquisitionsbeweis,  welchen  die  Schöffen  bezeichnend ­
  genug  dem  Grafen  gegenüber  „vestra  inquisitio“  nennen.  Ähnlich
lautet  das  Urtheil  bei  Muratori  SS.  1I\  942:  „Iudicavimus  utjuxta
legem  et  secundum  dictam  inquisitionem  ipsam  Gundi  et  omnes
reditus  pertinere  parti  palatii  Wenn  ich  hiemit  den  Process
1)  Vgl.  noch  Mon.  Boic.  XXX'\  387;  Lupill,  col.  113;  Murat.  II,  931  und  981.
Nicht  in  allen  Urkunden  tritt  die  Thätigkeit  der  Urtheilfinder  in  dieser  Weise  hervor. ­
  Oft  wird  das  Urtheil  gar  nicht  erwähnt,  oft  in  die  Erwähnung  der  Urteilsvollstreckung ­
  hineingezogen.  Doch  kann  es,  wo  es  nicht  dem  Königsgerichte  Vorbehalten ­
  blieb,  unbedenklich  suppliert  werden.
            
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