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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  493

Wenn  Priester  als  „festes“  verwendet  wurden,  so  pflegte  man
sie  gleichfalls  nicht  ad  hoc  zu  vereidigen,  sondern  verpflichtete  sie,
die  Aussage  auf  ihr  Priesteramt,  resp.  die  Weihgelübde  hin,  abzulegen, ­
  eine  Thatsache,  die  mit  der  Eidesfreiheit  des  Clerus  zusammenhängt. ­
  „0.  archipresbyter  dixit  adjuratus  in  suo  sacerdotio“:
Mur.  Ant.  II,  931.  ■—■  „Laiciomnes  ad  dei  evangelia  .  .  .  prefecimus
(jurare  at)  .  ..  dicerent  veritatem.  lta  et  ipsi  sacerdotes  conjuravimus
  eos  in  suum  sacerdotium  et  üdelitatem,  quas  ad  parte  domni
imperatoris  juratum  habebant,  at  quid  vera  exinde  scirent,  veritatem ­
  ut  ipsi  declararent“:  Mur.  Ant.  V,  923.  —  Sacerdotes  et
laici  interrogati  atque  conjuncti  in  eadem  fide  sacerdotii  et  Christianit
  atis  suae,  quoddehac..  investitura  scirent,  ut  verum  dicerent ­
  et  per  nullius  hominis  timorem  neque  blaiulimentum  in  aliqua
  parte  deverterent.  Inprimis  A.  presbyter  dixit:  scio  .  .  .  G.
juratus  a  dei  evangelia  et  inquisitus  dixit.  .  .  isti  omnes  jurati
dixerunt“:  Mur.  Ant.  II,  977,  a.  842.
Wie  man  aus  der  zuletzt  angeführten  Stelle  ersieht,  spielt  noch
ein  anderes  Moment,  ein  kirchliches  hie  und  da  in  das  inquisitorische
Beweisverfahren  hinein.  Noch  deutlicher  wird  dies  betont  in  folgender ­
  notitia  inquisitionis  aus  Perard  (33)  :  ..  fecerunt  requistum
.  .  .  per  il/um  sacramentum,  quem  domno  Karolo  regi  habebant
iurata  et  per  illam  professionem,  quam  in  baptismo  promiserunt,
  ut  veritatem  dixissent*)  .  .  Tune  interrogatum  per  ipsos
fuit.  ■  ■  per  illum  sacramentum,  quid  de  verdate  sciebant,  veritatem
exinde  dixissent“  2 ).  Da  in  der  Regel  ein  Bischof  oder  Aht  und  ein
Graf  .als  königliche  Machtboten  ahgesandt  wur'dcn,  so  erklärt  es  sich
leicht,  dass  man  gelegentlich  neben  dem  gebannten  Schwur  oder  dem
Fidelitätseid  auch  das  Taufgelübde  als  Inquisitionshebe!  ansetzte.  Dieser ­
  Umstand  weist  auf  einen  Zusammenhang  der  kanonischen  Inquisitio
  mit  der  des  weltlichen  Verfahrens,  scheint  mir  aber  durchaus
nicht  etwa  dafür  zu  sprechen,  dass  diese  jener  nachgebildet  wurde 8 ).
Die  Natur  des  inquisitorischen  Verfahrens  bringt  es  mit  sich,
dass  die  Formen,  in  welchen  es  zur  Anwendung  kömmt,  minder  con-1

 )  sc.  dicerent.
a )  Sieh  Note  I.
3 )  Dass  die  Inquisilio  des  kanonischen  Rechtes  dem  weltlichen  Rechte  entlehnt
worden  sei,  erwies  Dowe  »Die  fränkischen  Sendgerichte“,  Zeitsch.  f.  Kirchenr.  IV.
Sitzb.  d.  phll.-hist.  CI.  LI.  Bd.  II.  Hft.  32
            
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