Zeugen- u. Inquisitionsbeweis im deutschen Gerichtsverfahren etc. 4S3
kömmt nur mittelbar in Frage. Der Strafprocess tritt im Gewände
eines Vindicationsprocesses auf.
Auf eine erschöpfende Abgrenzung des Gegenstandes der Inquisitio
will ich von vorne herein verzichtet haben. Es genügt, die
allgemeinen Gesichtspuncte angegeben und in einer Reihe von Beispielen
die Natur der Rechtsfälle zur Anschauung gebracht zu haben,
in welchen der Inquisitionsbeweis zur Anwendung kam. Da die Voraussetzungen
desselben, „Inquisitionsrecht“, „Inquisitionsgewalt“ und
„Gegenstand des Inquisitionsbeweises“ nunmehr sämmtlich erörtert
sind, ist das Verfahren selbst im Zusammenhänge auszuführen.
D. Das inquisitorische Beweisverfahren.
Die Darstellung des inquisitorischen Beweisverfahrens soll sich
so viel als möglich an den Wortlaut der Urkunden halten, welche
dieser Untersuchung zu Grunde liegen. Strenge Systematik würde
erfordern, einzelne Erörterungen über die Natur des Beweismittels
aus diesem Abschnitte auszuscheiden., Da ich aber die Urkunden für
sich selber sprechen lassen will, habe ich solche Ausführungen, um
Wiederholung von Citaten zu vermeiden und den urkundlichen Stoff
nicht zu sehr zu zerstückeln, an die einzelnen Stadien des Verfahrens
angeknüpft *).
1. Die Anordnung der Inquisitio.
Der Inquisitionsbeweis muss vom Richter angeordnet werden,
mag nun das Inquisitionsrecht einer Partei oder nur das Ermessen
*) Anschauliche Fälle on inquisitorischem ßeweisverfahren finden sich: Carli IV, 5,
Cartulaire de S. Victor I, 32, N. 26; 1, 43, N. 31. Codex Lauresh. Trad. N. 228.
Fumagalli 367, N. 92; 489, N. 121. Goldast SS. rer. AI. II, form. 95; 99.
Lupi CodexBergom.II, col. 113. Martene et Durand Collectio I, 169. Meichelbeck
Trad. Fris. N. 117; 125; 269; 312; 368; 470; 472; 702. Memorie
di Lucca IV b , 52, N. 39; V b , 415, N. 698. Monumenta ßoica XXVM b , 203,
N. 906; XXX a , 387. M ur a t o r i Antiquitates II, 931; 951; 977; 981; V, 923;
929. SS. I\ 398 b ; Il b , 942. Neugart Cod. dipl. I, 150, N. 159. Perard Recueil
de pieces curieuses pour serv. a l’hist. de Bourgogne 33. Roziere 475; 476.
Urkund. B. d. Landes ob der Enns I. 36, N. 62; II, 14, N. 10. Vaissete Hist,
d. Langued’oc II, 27; II, 32. Wartmann ü. B. v. S. Gallen 1, 177, N. 187 (=Goldast
99); II, 275, N. 673 (= Neugart I, 480, N. 591); II, 281, N. 680
(== Neugart I, 485, N. 596). Wirtemberg. U. B. 84, N. 57 = Gold. 95.