Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  ete.  477
fiat  inquisitio  facta“  nachzukommen.  Als  den  Zweck  der  ganzen
Bestimmung  betrachte  ich  es,  die  Bannitio  der  Zeugen  mit  dem  Principe ­
  gleicher  Berücksichtigung  beider  Parteien  in  Einklang  zu  bringen. ­
  Während  das  Pippin’sche  Capitular  sich  mit  der  allgemeinen
Ermahnung  begnügt,  der  Richter  solle  die  Zeugen  „sine  blandimento
causatoris“  herbeiziehen,  wird  er  hier  beiden  Parteien  gegenüber  in
derselben  Weise  verpflichtet.  Auch  hier  handelt  es  sich  nicht  um  gerichtlich ­
  ernannte,  sondern  um  gerichtlich  gebannte  Zeugen.  Es
wäre  doch  sonderbar,  wenn  der  Richter  die  Zeugen  pro  und  contra
zu  ernennen  hätte.
Bestätigt  wird  meine  Annahme  durch  form.  Lang,  ad  loc.  cit.
L.  L.  Hloth.  67.  „Petre  te  appellat  Martinus  quod  tu  tenes  sibi
malo  ordine  terram  in  tali  loco.“  „Ipsa  terra  mea  propria  est.“
„Quid  tibi  pertinet?“  „Ego  liabeo  possessam  ipsam  terram  per
triginta  annos.“  „Potes  probare  tuam  possessionem?“  „Nonpossum,
  sed  quaero  quod  comes  det  mihi  tales  liomines,  quia  ipsi J )
sciunt  veritatem.“  Et  cum  festes  dati  fuerint  a  comite,  tune
laudati  producantur,  nt  super  ins  diximus.  Si  vero  adversariits
  interrogetur  de  oppositione  et  ipse  dixerit:  non  possum  sed
quaero  a  comite:  sit  similiter.  Et  sit  bellum  int  er  utrumque  ut
superius  diximus,  si  pars  parti  dissenserit.“  Das  handschriftlich
feststehende  „quia“  macht  es  wahrscheinlich,  dass  die  Partei  die
Zeugen  nennt,  die  dann  vom  Grafen  vor  Gericht  gebannt  und  daselbst
von  der  Partei  produciert  werden.  Die  Formel  setzt  ausserdem  in’s
Klare,  dass  die  Bannitio  hier  auf  die  Gemeindezeugen  zu  beziehen  sei,
wie  dies  in  dem  Capitular  zwar  nicht  direct  ausgesprochen,  aber  doch
aus  der  Aufstellung  von  Gegenzeugen  zu  erschliessen  ist.  Einer  Erklärung ­
  scheint  mir  noch  der  Schluss  der  Forme]  bedürftig.  „Si  vero
omnes  consenserint,  sit  ut  legitur  in  lege.  Si  vero  unus  a  quinque
  vel  duo  a  quatuor  dissenserint,  tune  testimonium  quinque  vel
quatuor  recipiatur-  Quod  a  quibusdam  aliter  sentitur.  Dicunt
enim  ut  parti  labend  alii  subrogentur.“  Wie  das  im  langobardischen
  Zeugenverfahren  die  Regel  ist,  werden  drei  Zeugen  und
drei  Gegenzeugen  gestellt.  Steht  die  Aussage  der  drei  Zeugen  gegen
die  der  drei  Gegenzeugen,  so  entscheidet  der  Zweikampf.  Zweien
sich  die  Aussagen  derart,  dass  vier  (3  +  1)  gegen  zwei  oder  fünf

*)  Nicht  jui  wie  hei  Walter.  (M.  G.  LL.  IV.)
Sitzb.  <1.  phil.-hist.  CI.  1J.  Bd.  II.  Hft.

31
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.