Zeugen- u. Inquisitionsbeweis im deutschen Gerichtsverfahren etc. 461
tionem exinde faciatis sicut domnus Imperator praecepit et auctoritatem
tribuit“. Nachdem der Inquisitionsbeweis aufgenommen
worden, wird das Verfahren abgebrochen „et dum nos (judices) taliter
omnia invenimus et cognovimus per ipsa praecepta et per ipsas
inquisitiones, sic resuspendimus causam ipsam usquc dum Guidoni
duci senior noster Herum praecepit, ut sicut per demandationem et
auctoritatem domni Ludovici imperatoris, ita et per demandationem
et jussionem suam ego Frunsidus castaldeus juxta inquisitionem,
quae ante nos facta est, causam ipsam finirem.“ Die Inquisitionsgewalt
des Beamten wird zurückgeführt auf die auctoritas regia.
Die beschränkte oder volle Übertragung derselben begründet den
Unterschied von Inquisitionsmandaten ad referendum und ad definiendum.
Wir sind hiemit in die zweite Gruppe von Inquisitionsmandaten
gelangt. Das Mandat ad definiendum wird in der Regel gleich
mit dem Inquisitionsauftrag ertheilt und nicht erst ein Bericht über
die Inquisitio zur Voraussetzung desselben gemacht, wie in dem zuletzt
angegebenen Falle. Zwei solcheMandate finden sich bei Ansegis
Appendix III, §. 3 und •§•. 10. Graf Authari behauptet, dass ein
gewisser Wald Bannforst sei, was von anderer Seite bestritten wird.
Die Missi sollen darüber inquirieren „et iuxta quod iustum invenerint
exnostra auctoritate definiant“. Graf Hildebrand hatte
berichtet, dass von den Gaugenossen einige die Spanndienste verweigern.
Die Machtboten sollen bei den nicht pflichtigen Gaugenossen
und den Grafen der Nachbargaue inquirieren „et si invenerint
quod ipsi ea dandi debitores sunt, ex nostra iussione dare praecipiant“.
In Urkunde Muratori Ant. II, 951, a. 851 wird der Missus
beauftragt, den Streit, welcher zwischen dem Bischof und den Bürgern
von Cremona in Bezug auf Schiffahrtsabgaben obschwebte, auf
Grund der anbefohlenen Untersuchung zu erledigen (qui . . inquireret
et definiret). Die Untersuchung wird durch Anwendung des
Inquisitionsbeweises geführt.
Hatte eine Partei sich an den König gewendet und von diesem
ein Inquisitionsmandat ad definiendum erwirkt, so Hess sie sich wohl
auch eine Urkunde darüber ausstellen. In einem Processe des Bischofs
von Lucca und dreier Libellarii des Bisthums <), welcher 853 vor den
O Mem. di Lucca V\ 418, N. 698.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LI. Bd. II. Hft.
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