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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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B  r  u  n  n  e  r

„herum  inquisitum  esf  per  plnres  personas  eciam  et  per
ipsas  precepcioncs  qod  antedicte  princepis  ibydem  in  primordio
et  in  posterum  in  intregetati  concesserunt  vel  adfirmaverunt.  “  Im
Jahre749  i)  klagt  der  Abt  vo  n  Saint  Denis  im  Gerichte  desHausmeiers
gegen  den  Abt  von  M.  „repetens  ab  eo  Oratorium  aliquod“.  Beide
Theile  weisen  Königsurkunden  zur  Erhärtung  ihres  Rechtes  vor.  „  Dum
hoc  modo  ipsi  inter  se  contenderent  tarn  per  bonos*  homines  et  magnificos
  viros  quam  per  jam  dictas  prueceptiones  diligenter  veritatem
  inquirentes  invenimus  quod  ibidem  nulla  Justitia  ipsius  Hormungi
  abbatis  appuret“.  Auch  in  karolingischen  Urkunden  findet
sich  öfter,  dass  am  Königsgerichte  neben  dem  Urkundenbeweise  die
Aussage  von  „veraces  homines“  dem  Urtheil  zu  Grunde  gelegt  wird.
Beispielsweise  seien  hier  Bey  er  I,  26,  N.  22,  a.770und  B  ey  er  1,41,
N.  37,  a.  797  angeführt,  wo  der  Beweis  „tarn  per  veragos  homines
quamque  per  confirmuciones  regum“  „tarn  per  veraces  homines
quamque  per  strumenta  chartarum“  geführt  und  auf  Grund  desselben ­
  das  Urtheil  gefällt  wird.  In  allen  diesen  Fällen  ist  die  inquisitio
per  plures  personas,  per  bonos,  veragos  homines  kein  von  der  Partei ­
  angebotenes  Beweismittel 3 ),  sondern  eine  Massregel,  welche  das
Gericht  selbst  zur  Ergänzung  des  durch  die  Urkunden  gebotenen  Beweisstotles
  ergreift.
Selbständig  vom  Urkundenbeweise  erscheint  die  Inquisitio  in
einem  Placitum,  welches  Karl  der  Grosse  782  in  einer  Sache  des
Klosters  Lorsch  abhält 3 ).  „Facta  est  inquisitio  de  Suenlieim  si  per
drictum  deberet  attingere  ad  villam  Hurfeldomarcam“,  welche
Karl  dem  Kloster  geschenkt  hatte.  „Haec  sunt  nomina  testium,  qui
in  ipso  placito  fuerunt  .  Es  folgen  circa  30  Namen.  Nachträglich ­
  wird  noch  von  königlichen  Machtboten  eine  Inquisitio  an  Ort
und  Stelle  des  Streitobjectes  vorgenommen,  die  das  Ergehniss  der
ersten  bestätigt.
863  wird  im  Königsgerichte  ein  langjähriger  Streit  zwischen
dem  Bisthum  LeMansund  demKloster  Calais  zum  Austrag  gebracht*).

J )  Pard  essus-Brequigny  N.  603.
2 )  Auf  das  von  der  Partei  angebotene  Gemeindezeugniss  wird  durch  Urtheil  erkannt.
Conf.  Pardessus  N.  478,  oben  S.  12,  N.
8 )  Codex  Laureshamens.,  Traditiones,  N.  228.  Conf.  Waitz  V.  G.  IV.  411,  N.  3.
4)  Martene  et  Durand,  CoIIectio  I,  col.  169  ff.  B.  1715.
            
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