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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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B  r  u  n  n  e  r

Wahrheitsversprechen  abzulegen.  M.  d.  L.  sup.  eit.  Vaissete  II,  27:
„Adunatis  fere  ducentis  hominibiis  per  auctoritatem  reg  um  predictus
  vicecomes  bannuni  imposuit“  Vaiss.  II.  32:  .  .  .  „ad  hanc  inquisitionem
  et  ad  illum  bannum  quod  de  parte  regis  atque  comitis
hac  de  sua  (parte)  omnibus  misit  (vicecomes)  ut  veritatem  manifestarent.“
  In  Arnulfs  Urkunde  für  Sanct  Gallen  wird  der  gebannte
Schwur,  welchen  die  Inquisitionszeugen  vor  der  Aussage  zu  leisten
haben,  „juramentum  ex  regia  potestate  coactum“  genannt.  Wenn
jemand,  heisst  es  in  derselben  Urkunde,  der  Anwendung  des  Inquisitionsbeweises ­
  sich  nicht  fügt,  „cum  banno  tiostro  ad  placifum
nostrum  distringatur  ut  ibi  .  .  sentiat  nostrampotestatem  non  esse
tempnandumWird  das  Wahrheitsverspreehen  nicht  eidlich  abgenommen, ­
  so  werden  die  „festes“  aufgefordert  auszusagen  bei  der
Treue,  welche  sie  demKünigim  Unterthaneneide  gelobt  haben 1 ),  auf
welchen,  entsprechend  dem  Commentar  in  Cap.  Aq.  802,  P.  98  die
Aussagepflicht  in  Fiscalprocessen  gegründet  wird.  So  ist  denn  die
Pflicht  zur  Offenbarung  der  Wahrheit  zurückzuführen  auf  das  persönliche ­
  Yerhältniss  des  Unterthanen  zum  König,  in  Folge  dessen  dieser ­
  ein  Recht  auf  rückhaltlose  Beantwortung  der  Beweisfragen  geltend ­
  macht,  die  er  entweder  selbst  oder  durch  seinen  unmittelbaren
Vertreter  stellt.  Sehr  deutlich  tritt  dieser  Gesichtspunct  hervor  in
der  alamanischen  Formel  Roziere  473  a.  a.  885:  „.  .  iuramento
praemisso  et  fide  data  compulerunt  (missi)  eos  ut  omni  simulatione
  vel  generis  propinquitate  seu  personarum  acceptione  postposita
  veritatem  ita  proferrent,  sicut  in  conspectu  ipsius  imperatoris
facere  deberent“  2 ).
Nicht  blos  Anordnung  und  Durchführung  der  Inquisitio  beruhen ­
  auf  auctoritas  regia.  Um  aus  der  Inquisitio  einen  Inquisitionsbeweis ­
  zu  machen,  musste  ein  ergänzendes  Moment  hinzutreten,  das
gleichfalls  auf  königliche  Gerichtsgewalt  zurückführt.  Die  formellen
Beweismittel  trugen,  mit  Rücksicht  auf  das  zweizüngige  Urtheil,  durch
welches  darauf  erkannt  wurde,  die  entscheidende  Kraft,  sozusagen
die  vis  litis  definiendae  in  sich  seihst.  Der  Inquisitionsbeweis  fügt

*)  Vgl.  unten  Seite  491.
2 )  Conf.  Ried,  Cod.  dipl.  ep.  Ratisp.  I,  17,  N.  20,  a.  819:  „Nos  audimus  hoc  dicerc
et  covfinnare  etiams  i  fu  er  it  cor  am  do  m  i  no  Imperator  e  quod  ista  omnis
commarca.  .  .  debet  consistere..  .  ad  sanctum  Petrum  et  Emmeramum
            
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