Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  447
Beweis  durch  inquisitio  nicht  an  und  stehe  ihm  nicht,  noch  soll  mein
Mündel  ihm  stehen  i).  Zugleich  heisst  er  den  Knaben  das  Ding  verlassen, ­
  um  sich  hierauf  selbst  aus  dem  Gerichtsring  zu  entfernen.  Der
Missus  aber  befiehlt  ihm  hei  Königsbann,  dem  Gerichte  zu  stehen  und
den  Inquisitionsbeweis  entgegen  zu  nehmen.  Da  kehrt  Fraipert  zurück ­
  und  ruft:  „jam  dixi  et  Herum  dico  quin  in  ista  inquisitione
non  steti  nec  stabo“  et  dum  unam  et  aliam  intermitteret  occasionem
  =)  tune  foras  se  exinde  abiit.
Dass  man  in  Schwaben  dem  Inquisitionsbeweise  im  allgemeinen
nicht  günstig  war,  beweisen  die  Strafandrohungen  in  den  Privilegien
für  Sanct  Gallen  und  die  in  Alamannien  technisch  gewordene  Bezeichnung ­
  „juramentum  coactum“.  Im  Jahre  889  wird  im  Gau  Para
in  der  villa  Duroheim  über  die  Erhantheile  an  der  Kirche  zu  Leffingon
  gestritten.  Wie  es  schon  einmal,  heisst  es  in  der  Urkunde  s),  in
den  Tagen  Karl's  des  Dicken  geschehen,  Hess  man  die  primores
populi  zwanzig  an  der  Zahl  auf  die  Reliquien  schwören  und  dann  über
die  streitige  Thatsache  aussagen.  Die  Gechwornen  bezeugen,  dass
nur  fünf,  von  ihnen  genannte  Männer  und  deren  Sippen  „potestatem
haberent  ordinandi  ecclesiam  in  Leffingon  absque  ullius  inferioris
aut  supposiiae  personae  contradictione“.  Als  aber  von  jenen,  qui
se  in  illa  ecclesia  heredes  ac  dispositores  haben  voluerunt“,  die
einen  „garriendo“  die  anderen  „mussitando“  widersprachen,  „optimales ­
  eiusdem  concilii  apprehensis  spatis  sttis  devotaverunt  se  liaec
ita  ajfirmuturos  esse  cor  am  regibus  et  cunctis  principibus  usque  ad
sanguinis  effusionem“.  Es  ist  ein  wesentlicher  Unterschied  zwischen
Inquisitio  und  Zeugenbeweis,  dass  letzterer  durch  den  Widerspruch
der  Partei  sich  in  das  Ordal  des  Zweikampfes  verwandeln  kann.  Nicht
unbegründet  scheint  mir  daher  die  Hypothese,  dass  der  Widerstand
der  Sachfälligen  gegen  die  der,  Volksanschauung  widersprechende
Unantastbarkeit  des  inquisitorischen  Ergebnisses  gerichtet  war.  Die

1)  Non  volo  ut  de  hac  causa  super  istum  infantulum  nulla  inquisitione  facta  sit;  nisi  per
testes  adprobatio  ipsa  facere  potetis  ita  faciatis,  sin  autem  non,  per  inquisitionem
nullam  exinde  recipcre  volo  nec  Stare  nolo  nec  iste  infantulo  hic  non  sistat.
2 )  Seil,  standi  in  inquisitione.  Vgl.  unten  die  Darstellung  des  Verfahrens.
3)  Wartmann  II,  275,  N.  673.  =  Neugart  I,  480,  N.  591.

29  *
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.