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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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B  r  u  n  n  e  r

capitulorum  avi  et  patris  nostri  coniuncte  ponitur,  ui  res  et  mancipia
  ecclesiärum  eo  modo  contineantur  sicut  res  ad  fiscum  dominicum
  pertinentes  contineri  solent;  iuste  et  rationaliliter  de  rebus
et  mancipiis,  quae  in  regia  et  in  ecclesiastica  vestitura  fuerunt,  et
uniformiter  et  uno  modo  tenendum  est~.  Die  angezogene  Stelle  der
Capitularien  Karl's  und  Ludwig’s  kann  nur  §.  10  Cap.  Worm.  per
se  scrib.  eccl.  829,  P.  351  sein,  in  welchem  sich  der  Passus  „eo
modo  contineantur  bis  contineri  solent  wörtlich  wieder  findet,  während ­
  die  Vergleichung  mit  §.  1,  Cap.  miss.  P.  354  einzelne  Abweichungen ­
  zeigt.  Da  das  Wormser  Capitular  von  829  postansegisisch
ist,  so  kann  unter  dem  liier  capitulorum  avi  et  patris  nostri  nur
Benedict  verstanden  werden,  dessen  Sammlung  in  Cap.  171  (Bai.)  der
Karl  dem  Grossen  zugetheilten  J )  Additio  quarta  den  erwähnten  Beschluss ­
  des  Wormser-Reichstags  enthält.  Auffallend  ist,  dass  der
Conv.  Carisiac.  die  Beschränkung  auf  dreissigjährigen  Besitz,  welche ­
  Benedictus  dem  Wormser  Capitulare  nachgeschrieben  hat,  einfach ­
  ignoriert.  Paragraph  8  des  Conv.  Caris.  behandelt,  unmittelbar
anschliessend  an  jenen  Einleitungssatz,  denFall,  in  welchem  die  Kirche
als  Kläger  auftritt  um  ein  Gut,  dessen  Vestitura  ihr  entzogen  worden  ist.
„Sicut  quaecumque  res  et  mancipia  in  regia  vestitura  .  .  .  fuerunt
et  nunc  ab  aliis  detinentur,  demonstretur  qualiter  de  regia  vestitura ­
  ...  exierunt  .  .  .  ita  et  de  rebus  quae  in  ecclesiärum  vestitura ­
  fuerunt,  unde  quaestio  fuerit,  demonstretur  qua  auctoritate  in
proprietatem  eas  quisque  oltineant.“  Vom  Inquisitionsrechte  ist  in
dieser  Stelle  nicht  die  Rede,  es  handelt  sich  vielmehr  um  einen  Beweis
des  von  der  Kirche  Geklagten,  einen  Beweis,  welcher  über  das  gewöhnliche ­
  Maass  der  Beweispflicht  des  Beklagten  hinausgeht 2 ).  Wir
stehen  somit  vor  folgender  Alternative.  Entweder  müssen  wir  die
Einleitung  in  §.  8,  Conv.  Car.  als  eine,  obzwar  unrichtige  aber
authentische  Interpretation  der  Bestimmung  des  Wormser  Capitulars
hinnehmen  und  hiemit  den  Kirchen  des  westfränkischen  Reiches  von

in  dem  nachgebildeten  Passus  des  Conv.  Caris.  die  regia  potestas  der  pontificalis
auctoritas  vorangeht.
*)  Vgl.  Stobbe,  Gesch.  der  Rechtsquellen  I,  239,  Anmerk.  30.
2 )  Die  Bedeutung  des  gewährten  Vorrechtes  erhellt  aus  folgendem  Satze:  „quoniam
quidam  non  contradicunt  quod  res  ...  quae  tenent,  in  vestitura  nostra  .  .  .  non
fuissent  sed  patres  illorum  morientes  eis  in  hereditatem  dimiserunt,  idco  non  volunt
indc  ullam  auctoritatem  ostendere  sed  suam  hereditatem  probare.  .  .“
            
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