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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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B  r  u  n  n  ö  1*

sonst  die  meliores  pagenses  verwendet.  Zu  diesen  können  die  auf
Kirchengut  ansässigen  Freien  in  der  Regel  nicht  gezählt  werden.
Hieraus  erklärt  sich  das  Besondere  dieser  Verleihung,  welche  auf
ein  Inquisitionsrecht  des  Bisthums  zurückzuscliliessen  zwingt.  Zu
betonen  wäre  etwa  noch,  dass  das  testes  esse  der  kirchlichen
Hintersassen  und  das  inquisitionem  facere  auseinandergehalten  und
hiedurch  der  Gegensatz  von  Zeugen-  und  Inquisitionsbeweis  angedeutet ­
  wird.
Parma  lässt  sich  von  Berengar  920  ! )  wegen  Urkundenverlustes ­
  seinen  Besitzstand  bestätigen.  „De  quibus  hactenus  mvestita
fuit  ecclesia,  per  hoc  nostrum  praeceptum  liabeat  et  possideat  et
Aefendat  tarn  per  inquisitionem  quumque  per  sacramentum  adjurante
  suo  advocatore“  Die  Verbindung  von  Apennis  und  Inquisitionsrecht, ­
  von  der  wir  hier  abermals  ein  Beispiel  haben,  ist  keine  zufällige. ­
  Hier  wie  dort  ist  der  Zustand  der  Beweislosigkeit,  in  welchen
die  Kirche  durch  den  Verlust  ihrer  Urkunden  gerathen  ist,  die  Veranlassung ­
  des  Privilegs.  Desselben  Inhalts,  aber  schärfer  in  der  Fassung ­
  als  die  obige  Urkunde  ist  Berengar  a.  921 2 ):  „concedimus  illis
ut  per  hoc  nostrum  imperiale  praeceptum  proprietatem  teneant  ac
defendant  aut  per  in  qu  ist  um  de  nostra  parte  publica  aut
per  sacramentum,  quod  eo  die  quando  incendium  supervenit  bonas
et  veraces  munitates  de  ipsis  rebus  habebant“.  Entweder  werde  der
streitige  Besitzstand  durch  inquisitio  pagensiüm  festgestellt,  oder  es
schwöre  der  Vogt,  dass  die  Kirche  darüber  eine  echte  und  giltige
Urkunde  besessen  habe.  Greift  die  Kirche  zur  Inquisitio,  so  soll
diese  von  Amtswegen  in  des  Königs  Namen  vorgenommen  werden.
Ich  führe  schliesslich  noch  eine  Urkunde  Hugo’s  für  Parma  von  930 3 )
an,  deren  Inquisitionsformel  ,,  .  .  non  sit  necesse  facere  probationem
sed  ....  jurcjurando  fiat  inquisitio  ..."  fast  wörtlich  mit  jener
in  dem  Diplome  Karl's  des  Dicken  lür  Bergamo  übereinstimmt. 4 )

1)  Affo  storia  di  Parma  I,  323,  N.  42.  Böhmer  1364.  Wäre  die  Urkunde  Karl’s  d.
Dicken  f.  Parma  a.  880,  Ughelli  II,  148,  Böhmer  911  echt,  so  hätte  Parma  de
facto  schon  damals  die  Vortheile  des  Inquisitionsrechts  genossen,  da  der  missue
episcopi  gleich  den  königlichen  Pfalzgrafen  bevollmächtigt  war.
2 )  Affo  I,  325,  N.  44.  Böhmer  1367.
3)  U  gh  e  11  i  II,  156,  B.  1386.  Cf.  Ugh.  II,  152.
4 )  Lothar  II  für  Lyon,  Bouquet  VIII,  410,  N.  10  ist  kein  Inquisitionsprivileg,  aber
interessant  ,  sofern  der  König  zu  Gunsten  der  Kirche  die  Einrede  der  Verjährung
            
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