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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  439

währt  es  891  1 )  indem  er  verfügt  „ut  sicut  res  nostrae  proprietatis
in  quibuslibet  locis  per  inquisitionem  manifestantur,  ita  res  praedictae
  ecclesiae  per  idoneos  et  veraces  homines  hiquirantur  et  ad
plenissimam  usque  deducantur  justitiain  tarn  nostris  quam  etiam
successorum  nostrorum  temporibus.“  Wird  das  Inquisitionsrecht
hier  mit  Hinweis  auf  das  Königsgut  verliehen,  so  wird  es  von  Lambert
898  durch  die  Bezugnahme  auf  das  gleiche  Recht  anderer  Kirchen
näher  bezeichnet,  indem  er  befiehlt,  dass  über  die  Güter  des  Bisthums
der  Inquisitionsbeweis  „juxtu  morem  aliarum  ecclesiarum“  geführt
werden  solle  2 ).  Diese  Gleichstellung  sagt  nicht,  dass  alle  anderen,
sondern  nur,  dass  einige  andere  Kirchen  das  ertheilte  Recht  bereits
besitzen.  Ende  desselben  Jahres  erneuert  Berengar 3 )  das  Privileg
seines  inzwischen  verstorbenen  Gegners  mit  Wiederholung  des
Wortlautes. 4 )
Das  Bisthum  Como  hatte  nach  Urkunde  Ludwigs  III.  5 )  von
901  demselben  mehrere  Diplome  seiner  Vorfahren  von  Karl  dem
Grossen  an  vorgelegt,  welche  bezeugten,  „qualiter  sub  sua  defensione
  eandem  constituerant  ecclesiam  et  singulas  querimonias
studio  inde  substulerant  diversasque  inquietudines  concedendo  submoverant.“
  Hieran  reihen  sich  Bestimmungen  über  die  Immunität  der
Kirche  und  allgemeine  Bestätigung  des  Besitzstandes  und  endlich
folgendes  Vorrecht:  „habeant  ipsi  liomines  liberi  (ecclesiae)  facundiam
  cujus(cunjque  sint  nalione,  fidejussores  et  sacramentales  seil
testes  esse  secuudum  suam  legem  et  contradare  6 )  et  ad  partem
ipsius  ecclesiae  inquisitionem  f'acere  posse“.  Zur  Inquisitio  werden

Tirab  o  schi  Mem.  Modenesi  I,  66,  N.  51.  Böh  m  er  1274.
2 )  M  u  r  a  t  o  r  i  Ant.  VI,  341.  Böhmer  1288.
s )  Savioli  Anu.  Bolognesi  I 1 ’,  34,  N.  19,  B.  1308.
Eigenthümlieh  ist  das  Beweisvorrecht,  welches  Guido  dem  Bisthum  ertheilt  für  den
Fall,  si  conspiratio  populi  malevola  ad  tollendas  res  ecclesiae  per  vadia  fuerit  confirmata,
  ut  testimonia  et  advocationem  ad  justitiam  capiendam  ecclesia  invenire
non  valeat,  et  ex  hoc  administratores  sancti  loci  se  reclamaverint  quod  propter  ejusmodi
  causam  justitiam  ecclesia  habere  non  possit.  Vgl.  hiemit  die  entsprechenden
Stellen  in  Lamberfs  und  Berengar’s  Privilegien.  Unter  solchen  Verhältnissen  musste
den  Kirchen  das  Inquisitionsrecht  und  das  hiedurch  gebotene  Vorrecht  des  Zeugenzwanges ­
  freilich  in  hohem  Grade  wünschenswerth  erscheinen.
5 )  Savioli  Ann.  Bologu.  App.  l b ,  3o,  N.  20.  Böhmer  1458.
6 )  Conf.  form.  Lang,  zu  L.  L.  P.  III.  38  „appellalor  probet  et  publicus  adversarius
det  contra  (seil,  testes)  si  vult“.
            
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