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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Brunner

und  dann  die  bischöflichen  Kirchen  behandelt,  bei  welchen  (mindestens ­
  bis  in  die  Mitte  des  neunten  Jahrhunderts)  weder  das  eine  noch
das  andere  statthaft  war  i).
Das  italienische  Kloster  F  a  r  f  a  ,  welches  in  königlichem
Schutze  stand,  Hess  sich  von  Ludwig  dem  Frommen  ein  Privileg  ausstellen, ­
  welches  folgendes  Mandat  enthält 3 ).  „TJbicumque  contentio  de
rebus  ad  ipsum  monasterium  pertinentibus  e.vorta  fuerit,  vos  qui
judiciariam  potestatem  habetis,  sic  illam  inquiratis  sicuti  nostram
regiäm  et  imperialem  causam  inquirer  e  deberetis  et  lwc  semper
per  meliores  et  veracissimos  qui  in  illis  vicinioribus  locis  fuerunt,
investigetur  et  ubicumqueper  bonorumhominivm  testhnonium  rei
veritas  inventa  fuerit  neque  hoc  ulla  difficultas  impedit,  statim
monasterii  pars  recipiat  justitiam  suam  et  ea  tantum  differantur
quae  •  •  ■  diffiniri  non  possuntDie  Gerichte  sollen  in  der  Regel
unmittelbar  auf  Grund  der  von  ihnen  vorgenommenen  Untersuchung
das  Urtheil  fällen  und  vollstrecken,  also  ohne^erst  eine  definitiva
sententia  von  Hof  einzuholen.  Letzteres  soll  nur  ausnahmsweise  geschehen ­
  und  diese  Ausnahme  hängt  vermuthlich  zusammen  mit  dem
Reclamationsrechte,  welches  dem  Kloster  Vorbehalten  bleibt  und  noch
von  Ludwig  II.  ausdrücklich  bestätigt  wird  3 ).  Ein  Diplom  Karl’s  des
Kahlen  von  875,  welches  dem  Abte  von  Farfa  die  Rechte  seines  Klosters ­
  bestätigt*),  führt  auch  das  Inquisitionsrecht  und  zwar  in  folgender ­
  Fassung  an:  „Si  de  qualibet  causa  a  parte  ipsius  monasterii ­
  orta  fuerit  intentio,  non  per  viles  personas  scd  per  nobiliores
  homines  et  veraciores  sicuti  ad  partem  nostram  rei  veritas
inquir  atur.“
Das  Kloster  Vincenzo  di  Volturno  muss  von  Ludwig  dem
Frommen  und  dessen  Enkel  Ludwig  II.  Inquisitionsprivilegien  erworben
haben.  Denn  in  einem  Placitum  von  854 5 )  verlangen  Probst  und  Vogt
*)  Conf.  Sickel,  Beiträge  III,  70.
2 )  Die  wesentlichsten  Stellen  gibt  der  Text  des  Chronicon  Farfense  bei  Muratori  II b ,
378.  Zur  Controlle  dient  Waitz  V.  G.  IV,  337,  N.  2,  dem  diese  ungedruckte  Urkunde ­
  im  Apparate  der  Mon.  Germ,  zu  Gebote  stand.
3 )  Conf.  Sickel  a.  a.  0.  89.  M  u  r-  1.  c.  400.  „si.  ..  nostram  reclamaverint  praesentiam,
comes  noster  et  missi  nostri..  .  faciant  ambas  partes  in  nostram  praesentiam
guadiare u .
*)  Muratori  SS.  II b ,  40  3.  Böhmer  1788.
5 )  Murat.  SS.  l b ,  398.  Das  Kloster  ist  mehrmals  von  den  Arabern  verbrannt
worden.  Vgl.  Böhmer  313,  Mur.  1.  c.  371  und  Böhmer  661,  M  u  r.  1.  c.  393.
            
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