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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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B  r  u  n  n  e  r

ordentlichen  Verfahren  ist  aber  ein  Schwur  —  denn  dieser,  nicht
die  Aussage  entscheidet  i)  —  der  von  einer  Partei  producierten  Zeugen ­
  zu  Gunsten  der  anderen  unmöglich.  Ein  ausschliessliches  Recht
des  Vogtes,  Zeugen  (im  eigentlichen  Sinne)  zu  producieren,  kann
daher  nicht  statuiert  worden  sein.  Entweder  erhielt  der  Klostervogt
die  Befugniss,  die  Geschworenen  vorzuschlagen,  oder  diese  werden
desslialb,  weil  sie  der  Richter  in  Ausübung  der  königlichen  Gerichtsgewalt ­
  zu  ernennen  hat,  als  Königszeugen  betrachtet.
Das  königliche  Kloster  Nantua  wurde  832  von  Lothar  dem  Erzbisthum
  Lyon  geschenkt.  Da  es  hiedurch  den  Charakter  des  Königsgutes ­
  verlor,  wurden  ihm  die  Processprivilegien,  die  es  bis  dahin
als  solches  selbstverständlich  genossen,  ausdrücklich  zuerkannt.  Der
Kaiser  bestimmt  in  einer  undatierten  Urkunde 2 ),  „ut  in  cunctis  interpellationibus
  ac  responsionibus  diversarumque  querimoniarum  negotiis
  ipsa  lege  eo  modo  eodemque  tenore  advocatus  jamdicti  moncir
sterii  interpellet  vel  respondeat,  quoto  (lege:  quo  eo)  tempore  solitus
erat,  quando  id  sub  nostrae  proprietatis  inerat  dominio“.Ein  Inquisitionsprivileg ­
  findet  in  den  Worten  .  .  .  interpellet  vel  respondeat
.  .  insoferne  Raum,  als  Beweisrolle  und  Beweismittel  und  hiemit  auch
die  Anwendung  des  Inquisitionsbeweises  durch  die  Wechselreden
der  Parteien  festgestellt  wird.
Das  Marienkloster  in  der  Pfalz  zu  Compiegne,  also  im  Gebiete ­
  des  salfränkischen  Rechtes,  erhält  877 3 )  von  Karl  dem  Kahlen
eine  Immunitätsurkunde,  in  welcher  zugleich  die  processuale  Gleichstellung ­
  des  Kirchengutes  mit  dem  Königsgute  ausgesprochen  und
durch  die  königliche  Stiftung  der  Kirche  begründet  wird.  „Quia
pracfatas  res  omnes  ex  fiscis  nostris  fuisse  constat,  volumus  .  .  .
ut  sub  eil  lege,  qua  res  fisci  nostri,  jugiter  maneant  atque  sub  eo
mundeburde  et  defensione  tueantur  ac  defendantur  et  sub  ea  tuitione
  imperiali  consistant,  qua  coenobia  Prumia  4 )  scilicet  quod
atavus  noster  Pippinus  construxit  et  monasterium  sanctimonialium
Lau  duno 5 )  .  .  .  constructum,  consistere  noscuntur.“
1 )  Vgl.  oben  die  Darstellung  des  Zeugenverfahrens  aus  Urkunden  des  westgothischeu
Rechtes.
2 )  Bouquet  VIII,  39t,  N.  36.  Conf.  Böhmer  61  i.
3)  Bouquet  VIII,  659,  N.  272.  Böhmer  1809.
*)  Priim.
5 )  Laon.
            
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