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ordentlichen Verfahren ist aber ein Schwur — denn dieser, nicht
die Aussage entscheidet i) — der von einer Partei producierten Zeugen
zu Gunsten der anderen unmöglich. Ein ausschliessliches Recht
des Vogtes, Zeugen (im eigentlichen Sinne) zu producieren, kann
daher nicht statuiert worden sein. Entweder erhielt der Klostervogt
die Befugniss, die Geschworenen vorzuschlagen, oder diese werden
desslialb, weil sie der Richter in Ausübung der königlichen Gerichtsgewalt
zu ernennen hat, als Königszeugen betrachtet.
Das königliche Kloster Nantua wurde 832 von Lothar dem Erzbisthum
Lyon geschenkt. Da es hiedurch den Charakter des Königsgutes
verlor, wurden ihm die Processprivilegien, die es bis dahin
als solches selbstverständlich genossen, ausdrücklich zuerkannt. Der
Kaiser bestimmt in einer undatierten Urkunde 2 ), „ut in cunctis interpellationibus
ac responsionibus diversarumque querimoniarum negotiis
ipsa lege eo modo eodemque tenore advocatus jamdicti moncir
sterii interpellet vel respondeat, quoto (lege: quo eo) tempore solitus
erat, quando id sub nostrae proprietatis inerat dominio“.Ein Inquisitionsprivileg
findet in den Worten . . . interpellet vel respondeat
. . insoferne Raum, als Beweisrolle und Beweismittel und hiemit auch
die Anwendung des Inquisitionsbeweises durch die Wechselreden
der Parteien festgestellt wird.
Das Marienkloster in der Pfalz zu Compiegne, also im Gebiete
des salfränkischen Rechtes, erhält 877 3 ) von Karl dem Kahlen
eine Immunitätsurkunde, in welcher zugleich die processuale Gleichstellung
des Kirchengutes mit dem Königsgute ausgesprochen und
durch die königliche Stiftung der Kirche begründet wird. „Quia
pracfatas res omnes ex fiscis nostris fuisse constat, volumus . . .
ut sub eil lege, qua res fisci nostri, jugiter maneant atque sub eo
mundeburde et defensione tueantur ac defendantur et sub ea tuitione
imperiali consistant, qua coenobia Prumia 4 ) scilicet quod
atavus noster Pippinus construxit et monasterium sanctimonialium
Lau duno 5 ) . . . constructum, consistere noscuntur.“
1 ) Vgl. oben die Darstellung des Zeugenverfahrens aus Urkunden des westgothischeu
Rechtes.
2 ) Bouquet VIII, 39t, N. 36. Conf. Böhmer 61 i.
3) Bouquet VIII, 659, N. 272. Böhmer 1809.
*) Priim.
5 ) Laon.