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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  11.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  427

das  Kind  bestätigt  903,  24.  Juni')  sämältliche  Rechte  Sanct  Gallens,
darunter  das  Inquisitionsrecht  mit  den  Worten:  „Et  quicquid  legnli
inquisitione  ad  ipsum  monasterium  inquirendum  sit,  sub  coacto
jurcimento  nobilium  virorum  in  unoquoque  comitatu  habitantium,
in  quo  huiusmodi  inquisitio  sit  facienda,  ita  inquiratur,  sicut
monasterio,  Sindleozzesauva 2 )  dicto,  ibi  in  vicino  posito  conccssum
est  inquirendum“.  Ich  schliesse  die  Reihe  mi!  Konrad's  I.  Restätigung
vom  14.  März  912 3 ).  Die  Inquisitionsformel  lautet:  „Rectores  (monasterii) ­
  veluti  in  Constantia  civitate  et  in  Augiensi  monasterio,  ius
sibi  a  nobis  teneant  concessum  in  exigendis  iam  dicti  monasterii
rebus  per  advocatos  eorum  in  placitis  legalibus  coactum  exercere
iuramentum“.
Ein  Inquisitionsprivileg  glaube  ich  auch  in  Lüdwig’s  des  Frommen ­
  Urkunde  für  das  septimanische  Kloster  Aniane  vom  Jahre
83S  4 )  zu  erkennen.  .  quia  constat  idem  monasterium  nostrum
proprium  esse  (es  war  Karl  dem  Grossen  tradiert  worden 5 )  volumus
et  praecipimus  ut  saepe  nominatus  advocutus  nulla  ullatenus  testimonia
  super  nostra  ejusdem  immunitate  °)  monasterii  testes  recipiati
  Sed  quulquid  juste  et  legaliter  quaesierit  sive  defenderit  cum
nostrae  partis  testibus  effectum  rei  evindicare  ac  perficere  studeat“.
Sollte  jemand  der  Geltendmachung  dieses  Rechtes  sich  widersetzen,
so  hat  der  Vogt  dies  dem  Kaiser  zu  berichten,  welcher  die  Nichtachtung ­
  seines  Refehles  gebührend  zu  ahnden  droht.  Das  Verbot  der
Zeugenproduction  weist  auf  den  Inquisitionsbeweis,  welcher  dem
Gegner  des  Inquisitionsberechtigten  den  Weg  zum  Zeugenbeweise
verlegt,  ebenso  der  Umstand,  dass  dieses  Vorrecht  auf  die  königliche ­
  Eigenschaft  des  Klosters  zurückgeführt  wird.  Schwierigkeiten
macht  der  Ausdruck  testes  nostrae  partis.  An  gewöhnliche  Zeugen
ist  nicht  zu  denken.  Denn  wenn  in  allen  Fällen  die  Zeugen  der  einen
Partei  entscheiden  sollen,  so  muss  doch  die  Möglichkeit  ins  Auge  gefasst ­
  werden,  dass  sie  auch  zu  Gunsten  des  Gegners  aussagen.  Im

>)  ffarlm.  II,  328,  N.  72fi.  B.  1190.
2 )  Reichenau.
s )  Neugart  I,  560,  N.  682.  Böhmer  1235.
4 )  B  o  u  q  u  e  t  VI,  600.  Böhmer  455.
5 )  Sickel,  Beitr.  III,  35.
6 )  Immunitas  bezeichnet  hier  die  in  der  Immunität  inbegriffenen  Güter.
            
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