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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  425

ten:  „ut  eum  cum  Omnibus  rebus  et  liominibus  acl  se  pertinentibus
sub  tali  defensione  ac  provisione  esse  fecessimus,  quemaclmodum
fisci  nostri  adpartem  nostram  a  malivolorum  hominum  infestationibus
  defenduntur,  examinantur  atque  tuanturObwohl  das  Kloster
im  Eigenthum  des  Königs  stehe,  hätten  die  Gaugenossen  geltend
gemacht,  dass  dessen  Güter  nicht  wie  Königsgut,  sondern  wie  ihre
eigenen  Besitzungen  zu  behandeln  seien.  Auf  diese  Bitte  hin  befiehlt
der  Kaiser:  „nt  omnes  res  atcpie  liomines  praescripti  monasterii
nostri  abliinc  in  futurum  .  .  .  sub  tali  lege  tutae  ac  provisae  in
adquirendis  rebus  atque  defensandis  vel  etiam  examinandis  consistant,
  quemadmodum  per  imperium  nostrum  res  fisci  nostri
tuentur,  adquiruntur  atque  examinantur“.
Um  im  Gebiete  des  schwäbischen  Beeiltes  zu  bleiben,  stelle  ich
die  Inquisitionsprivilegien  Sa  net  Gal  lens  in  die  Beihe.  1.  Februar ­
  873  erhält  Sanct  Gallen  von  Ludwig  dem  Deutschen  eine  Immunitätsurkunde ­
  i)  mit  dem  Zusatze:  „decernimus  atque  jubemus  ut
quitquid  adquirendum  est  ad  praef  atummonasterium  sanctiGalli  eo
tenore  et  online  adquiratur  et  teneatur  quo  etiam  in  monasterio
Augiae  habent  ac  tenent  et  nullus  judex  publicus  ...  “  es  folgt  die
Immunitätsformel.  Mit  dieser  Bestimmung  steht  in  Zusammenhang
ein  Schreiben  vom  9.  April  desselben  Jahres,  welches  der  König  an
seinen  Sohn  Karl,  der  damals  Schwaben  besass,  richtetes),  um  die
angeführte  Stelle  seines  Privilegs  vom  1.  Februar  näher  auszuführen ­
  s ).  Abt  Hartmut  und  andere  unserer  Getreuen,  heisst  es  in  diesem
Schreiben,  haben  uns  berichtet,  dass  das  Kloster  Sanct  Gallen  in
manchen  Puncten  (in  quibusdam  causisj  hei  Euch  nicht  dieselben
Gerechtsame  geniesse,  deren  sonst  unsere  Klöster  und  Beneficien
theilliaftig  sind.  Daher  wünschen  und  befehlen  wir,  dass  dieser

’)  Wartmann  It,  183,  N.  569.  Bühmer  834.
3 )  Wartmann  II,  183,  N.  570.  Böhmer  836.
3 )  Mit  dieser  Urkunde  stimmt  fast  vollständig  ein  Brief  Ludw.  d.  I).  an  die  Grafen
Udalrich  und  Hatto  und  die  übrigen  Grafen  Alamanniens,  abgedruckfc  bei  Sickel,
Beiträge  II,  Sitz.  Ber.  39,  159  im  Anhang  und  bei  Wartmann  II,  34,  N.
435.  Die  Urkunde  trägt  kein  Datum.  Als  Petent  wird  nicht  Abt  Hartmut,  sondern
dessen  Vorgänger  Grimald  (Abt  bis  13.  Juni  872)  erwähnt.  Wartmann  gibt  die
Urkunde  im  Anschluss  an  Ludwig’s  Immunilülsbrief  von  854,  welcher  nichts  vom
Inquisitionsrecht  enthält.  Ich  neige  mich  dahin,  sie  in  die  letzten  Jahre  Grimald’s
zu  stellen  und  die  Diplome  vom  1.  Feber  und  9.  April  873  damit  in  Beziehung  zu
bringen.
            
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