Zeugen- u. Inquisitionsbeweis im deutschen Gerichtsverfahren etc.
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lebt. Ein Inquisitionsprivileg vermag ich aus dieser Stelle um soweniger
herauszulesen, als ein solches sieh vor dem letzten Jahrzehent
der Regierung Ludwig’s sonst wohl nicht nacliweisen lässt.
Kirchen, welche in dominio regis stehen, werden gerade so behandelt
wie eigentliches Königsgut. Sie gemessen Mundium, Immunität
und Inquisitionsrecht. Dass dies die Auffassung jener Zeit war, ergibt
sich aus dem Verlauf jenes bekannten Processes, welchen das
königliche Kloster Anisola mit dem BisthumLe Maus zu führen hatte 1 ).
Bischof Aid rieh vindiciert am Königsgerichte das Kloster, welches in
proprietate regis zu stehen behauptet. Dem entgegnet die bischöfliche
Partei: „Si vestrum (domni Ludovici imperatoris) proprium
esset (sc. monastervum) res ipsius seciuulum legem Salicam aut
Ribuariam tuerentvr, sicut alia loca et res, quae de vestro sunt
proprio, faciunt“. Anisola scheint demnach es verschmäht oder versäumt
zu haben in seinen Processen die Vorrechte des Königsgutes
geltend zu machen ~). Auf Grund dieser Thatsaclie wird ihm von
seinen Gegnern der königliche Charakter überhaupt abgesprocheu ! ).
Die Tradition eines Klosters an den König hat die Erwerbung
des Inquisitionsrechtes zur Folge. Das septimanische Kloster Saint
Chinian zu Vernasoubre wurde nach Urkunde Mahillon, Annales II.
724, N. 48 vom Jahre 827 an Kaiser Ludwig tradiert. In Folge der
Tradition erwirbt es die dem königlichen Dominium zustellenden
Vorrechte, unter welchen die proeessuale Gleichstellung mit dem
Königsgute ausdrücklich erwähnt wird. „Ut quietius ibidem viri dei
domino famuluri possint et a malis hominibus res ejusdem coenobii
O Gesta Aldrici. Bai uze Miscell. III, 118 ir.
2 ) Das Kloster lebte, wenn man aus den Äusserungen der Gegenpartei schliessen darf,
nach römischem Rechte. Der Bischof lässt den Abt nach römischem und canonischem
Rechte conlumacieren.
**) Die nächstfolgende Stelle des Memoriale: „ct mancipia non partirentur sicut de
aiiis locis ct rebus quae de vestro sunt proprio, in illa regionc est consuetudo facere
u , welche Waitz V. G. IV, 358, N. 1 undeutlich findet, ist auf Theilung der
Kinder, deren unfreie Eltern verschiedenen Herren angehören, zu beziehen. Uber
die römische Rechtssitte vergleiche Novelle 156, c. 1, Nov. 162, c. 3, Nov. 157,
und ausserdem Lex Wisig. L. X, tit. 1, §. 17. — Pippin I. von Aquitanien ver!eiht834
dem Kloster S. Hilaire de Poitiers das Recht, „ut si qui ex familia fratrum ad
illorum villas pertinentes de cactcris bencficiis S. Hilarii aut vir uxorem aut uxor
virum in conjugio acceperit, proles eorum non dividantur sed ibi pcrmaneant u .
Bouquet VI, 672, Böhmer 2075.