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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.

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lebt.  Ein  Inquisitionsprivileg  vermag  ich  aus  dieser  Stelle  um  soweniger
  herauszulesen,  als  ein  solches  sieh  vor  dem  letzten  Jahrzehent ­
  der  Regierung  Ludwig’s  sonst  wohl  nicht  nacliweisen  lässt.
Kirchen,  welche  in  dominio  regis  stehen,  werden  gerade  so  behandelt ­
  wie  eigentliches  Königsgut.  Sie  gemessen  Mundium,  Immunität
und  Inquisitionsrecht.  Dass  dies  die  Auffassung  jener  Zeit  war,  ergibt
sich  aus  dem  Verlauf  jenes  bekannten  Processes,  welchen  das
königliche  Kloster  Anisola  mit  dem  BisthumLe  Maus  zu  führen  hatte  1 ).
Bischof  Aid  rieh  vindiciert  am  Königsgerichte  das  Kloster,  welches  in
proprietate  regis  zu  stehen  behauptet.  Dem  entgegnet  die  bischöfliche ­
  Partei:  „Si  vestrum  (domni  Ludovici  imperatoris)  proprium
esset  (sc.  monastervum)  res  ipsius  seciuulum  legem  Salicam  aut
Ribuariam  tuerentvr,  sicut  alia  loca  et  res,  quae  de  vestro  sunt
proprio,  faciunt“.  Anisola  scheint  demnach  es  verschmäht  oder  versäumt ­
  zu  haben  in  seinen  Processen  die  Vorrechte  des  Königsgutes
geltend  zu  machen  ~).  Auf  Grund  dieser  Thatsaclie  wird  ihm  von
seinen  Gegnern  der  königliche  Charakter  überhaupt  abgesprocheu ! ).
Die  Tradition  eines  Klosters  an  den  König  hat  die  Erwerbung
des  Inquisitionsrechtes  zur  Folge.  Das  septimanische  Kloster  Saint
Chinian  zu  Vernasoubre  wurde  nach  Urkunde  Mahillon,  Annales  II.
724,  N.  48  vom  Jahre  827  an  Kaiser  Ludwig  tradiert.  In  Folge  der
Tradition  erwirbt  es  die  dem  königlichen  Dominium  zustellenden
Vorrechte,  unter  welchen  die  proeessuale  Gleichstellung  mit  dem
Königsgute  ausdrücklich  erwähnt  wird.  „Ut  quietius  ibidem  viri  dei
domino  famuluri  possint  et  a  malis  hominibus  res  ejusdem  coenobii

O  Gesta  Aldrici.  Bai  uze  Miscell.  III,  118  ir.
2 )  Das  Kloster  lebte,  wenn  man  aus  den  Äusserungen  der  Gegenpartei  schliessen  darf,
nach  römischem  Rechte.  Der  Bischof  lässt  den  Abt  nach  römischem  und  canonischem
  Rechte  conlumacieren.
**)  Die  nächstfolgende  Stelle  des  Memoriale:  „ct  mancipia  non  partirentur  sicut  de
aiiis  locis  ct  rebus  quae  de  vestro  sunt  proprio,  in  illa  regionc  est  consuetudo  facere
 u ,  welche  Waitz  V.  G.  IV,  358,  N.  1  undeutlich  findet,  ist  auf  Theilung  der
Kinder,  deren  unfreie  Eltern  verschiedenen  Herren  angehören,  zu  beziehen.  Uber
die  römische  Rechtssitte  vergleiche  Novelle  156,  c.  1,  Nov.  162,  c.  3,  Nov.  157,
und  ausserdem  Lex  Wisig.  L.  X,  tit.  1,  §.  17.  —  Pippin  I.  von  Aquitanien  ver!eiht834
dem  Kloster  S.  Hilaire  de  Poitiers  das  Recht,  „ut  si  qui  ex  familia  fratrum  ad
illorum  villas  pertinentes  de  cactcris  bencficiis  S.  Hilarii  aut  vir  uxorem  aut  uxor
virum  in  conjugio  acceperit,  proles  eorum  non  dividantur  sed  ibi  pcrmaneant u .
Bouquet  VI,  672,  Böhmer  2075.
            
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