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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  419

Für  das  Ende  des  neunten  Jahrhunderts  ist  die  Gleichstellung
von  königlichen  Beneficien  mit  den  res  quae  ad  opus  regis  liabentur,
als  feststehend  bezeugt  durch  Ludwig's  des  Deutschen  Urkunde  für
Sanct  Gallen  von  873,  in  welcher  er  diesem  Kloster  das  Inquisitionsrecht ­
  verleiht,  ,,ut  idem  monasterium  talem  legem  hubecit,  qualem
caeteramonasteria  et  beneficiatiostrahabent“.  Dass  dies  auch  für  die
ältere  Zeit  Grundsatz  war,  machen  die  in  den  Urkunden  vorkommenden ­
  Beispiele  mehr  als  wahrscheinlich.  In  dem  Bestitutionsprocesse
für  S.  Victor  zu  Marseille  von  780  ')  werden  die  Insassen  des  Dijonergaues
  beschworen  und  befragt,  ob  jemand  unter  ihnen  gegen  den
Bischof  und  die  von  ihm  "vorgewiesenen  Urkunden  auftreten  könne
in  der  Weise,  „quodper  annositatem  aut  per  legem  tricenariam  in
tempore  pacis  ad  ipsum  beneficium  sui  senioris  aut  ad  partes
domni  Karoli  regis  perportare  volebat
In  dem  Placitum 2 ),  welches  die  Machtboten  Karl’s  des  Grossen
804  zu  Biziano  in  Istrien  abhalten,  lassen  sie  die  ausgewählten  Volksgenossen ­
  schwören,  die  Wahrheit  aussagen  zu  wollen,  soweit  sie  u.  a.
de  Justitia  dominorum  nostrorum  gefragt  würden.  Die  Antwort  auf
diese  Frage  lautet:  „Unde  nos  interrogastis  de  justitiis  dominorum
nostrorum  .  .  .  ut  scimus  dicimus  veritatem.  De  civitate  Polensi
solidi  mancosi  66,  de  Ruvingo  solidi  mancosi  40  .  .  .  qui  faciunt
insimul  mancosas  344.  Postquam  Joannes  devenit  in  ducatn  ad
sinim  opus  istos  solidos  habuit  et  non  dixit  justitia  palatii  fuisset.
Item  habet  casale  0.  cum  olivetis  multis,  item  porcionem  cle  casale
P.  cum  vineis  ...  in  nova  civitate  habet  fisco  publico  .  .  .
omnia  ista  dux  ad  suam  tenet  manum  exceptis  illis  344  solidis
sicut  suprascriptum  est,  quod  in  palatium  debent  ambulare“.  Die
Geschworenen  sagen  aus  erstens  über  die  Abgaben,  welche  an  die  Pfalz
abzuliefern  sind  (quae  habet  Imperator  ad  suum  opus),  zweitens
über  den  Besitzstand  des  Fiscus,  welchen  der  dux  Joannes  als  Amtsgut ­
  de  parte  imperatoris  ad  suam  manum  innehat  und  zwar  rechtmässig ­
  innehat  s),  während  er  unrechtmässiger  Weise  auch  jene  Ab-Cartulaire

  de  S.  V  ictor  I,  43.
2 )  Carli  Antichita  italiche.  Milano  1791.  App.  di  documenti  spettanti  allaparte  quarta
p.  ö  ff.  Theilweise  abgedruckt  bei  NVai  tz  V.  G.  III,  40ö  fT.
3 )  Carli  a.a.O.  IV,  S.  iö6  glaubt  dass  der  dux  diese  Besitzungen  usurpiert  habe  und
siebt  in  den  betreffenden  Aussagen  eine  Anklage  gegen  denselben.  Dein  ist  nicht
            
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