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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  415

gebene  Weise  erklären  sich  Ausdrücke  wie  „laesiones  vel  iniuriam
machinari,  ihimititiam  movere“,  erklärt  sich  die  Befürchtung,  dass
jemand  „ptypter  iustitiam  imperatoris  annuntiando“  getödtet
worden  sei.  Wenn,  wie  Waitz  meines  Erachtens  mit  Recht  annimmt,
§.  8,  Cap.  a  missis  dominicis  edita  P.  123:  „ut  nullus  praesumat
nocere  eum  qui  rectum  imperatoris  dixerit“  dasselbe  sagt,  wie  die
oben  ausgeschriebenen  Capitel,  so  steht  doch  die  von  mir  vorgeschlagene ­
  Erklärung  dem  Wortlaute  der  Stelle  um  vieles  näher,
als  jene  von  Waitz,  wonach  damit  die  Klage  vor  dem  Künigsgerichte
gemeint  sein  soll  *).
Es  steht  im  Einklang  mit  dem  Inquisitionsrechte  des  Fiscus,  dass
dieser,  wenn  der  Fall  von  vorneherein  die  Anwendung  des  Inquisitionsbeweises ­
  nothwendig  machte,  nicht  immer  durch  einen  Vogt
vertreten  ist.  Im  ordentlichen  Verfahren  muss  er  stets,  sei  es  durch
den  Inhaber  des  vergabten  Fiscalgutes,  sei  es  durch  den  Gutsaufseher
oder  Verwalter,  sei  es  durch  einen  eigens  bestellten  Vogt  vertreten
werden a ).  Im  inquisitorischen  Beweisverfahren  scheint  die  Aufstellung

1)  Rectum  ist  soviel  wie  directum  in  Marculf  I,  21,  welches  daselbst,  wie  sich  aus
Vergleichung  mit  Marculf  I,  23  ergibt  „wstitia“,  also  Recht  im  subjectiven  Sinn
bedeutet.
a )  Ich  stelle  hier  eine  Reihe  von  Fällen  zusammen,  in  welchen  der  Fiscus  vor
Gericht  vertreten  wird.  Mur.  SS.  II b ,  942,  a.  874:  Confiscationsprocess  wegen
adultcrium.  Als  Kläger  tritt  auf  Majo  de  Piscaria  ddvocatus  domni  imperatoris
und  interpelliert:  „quaero  aparte  domni  imperatoris  habere  justitiam“.  Mur.  Ant.  I,
461,  a.  820:  Streit  zwischen  dem  Kloster  Nonantola  und  Graf  Hucbald  de  parte
fisci.  Die  Sache  wird  vertagt;  comes  Hucbaldus  commcndavit  Raginpcrto  scavino
et  advocatore  suo  ut  exindc  inquireret  et  ad  plaido  plenam  racionem  exinde
donared.  M  u  r.  SS.  ll b ,  373,  a.  821:  Der  Abt  von  Farfa  klagt:  „iste  Guinegis
(dux)  injuste  ipsds  res  ad  regiarn  parlcm  invasi(sse)t u .  Der  Beklagte  bekennt
schliesslich:  „  per  nullam  rationem  ipsas  res  ad  regiarn  partem  teuere  possum“.
Es  handelte  sich  um  Aufhebung  einer  angeblich  wegen  herisliz  erfolgten  Confiscation.
  Iin  Processe  wegen  Auisola  Martene,  Collectio  ampl.  1,  col.  169,  a.  863
wird  die  Austragung  der  Sache  im  Wege  canonischen  Verfahrens  aufgegeben  und
beschlossen:  „ut  admitterentur  advocati  utriusque  partis  regalis  videlicct  et  episcopalis
 u i  Der  Streit  wird  mittelst  inquisitio  zu  Ende  geführt.  Mur.  Ant.  I,  973,  a.
806:  „Gisilari  qui  causam  curtis  domni  regis  peragebat“.  Tiraboschi,  Nonant.
II,  39:  „qui  causa  ipsa  da  parte  domini  regis  peragebant“.  In  Mar  ca,  marca  Hispan.
App.  796  wird  eine  notitia  judicati  von  einem  ständigen  Fiscalvogt,  als
sachfälligem  Kläger  gefertigt.  „Signum  Sesenandi  m  andatario  do  m  n  o  Mirone
comite  ad  causas  fiscalcs  require  ndas. u  Bei  Meiehelbeck  N.  434
27*
            
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