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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  411
lung  kommen.  Ich  führe  im  Folgenden  eine  Reihe  von  Stellen  an,
welche  die  Berechtigung  dieser  Auffassung  erweisen.  §.  19,  Cap.
miss,  per  missaticum  Senon.  802,  P.  98:  „De  omni  re  ....  undecunque
  necesse  fuerit  tarn  de  iustitiis  nostris  quamque  iustitiis
ecclesiarum  dei,  viduarum,  orphanorum,  pupillorum  et  ceterorum
hominupi  inquirant  et  perficiant“.  §.  15,  Cap.  Lang.  Pipp.  801  —
810,  P.  104:  „  Volumus  nt  sicut  nos  omnibns  legem  observamus,  ita
et  omnes  nobis  legem  conservare  faciant  et  plenam  institiam  in
eorum  mivisteriis,  qnicqvid  ad  vos  pertinet,  facere  studeatit“.  §§.  2;
3,  Cap.  Theo  d.  805,  P.  132:  „De  institiis  aecclesiarum  dei,  viduarum ­
  .  .  .  ut  in  publicis  iudiciis  non  dispiciantur  clamantes.  De
iustitiis  regalibus  ut  pleniter  fiant  inquisitae“.  §.  1,  Cap.  miss.  806,
P.  137  .  .  de  iustitiis  domni  imperatoris  secundum  quod  vobis
vel  scriptum  vel  net'bis  est  dictum  tute  certamen  habeatis  ■  ■  ■
$.  2,  1.  c.:  deinde  ut  iustitias  ecclesiarum  viduarum  .  ..  sine  malo
ingenio  .  .  .  facialis6,  Cap.  miss.  857,  P.  455:  „Ut  regales
iustitiae  cum  omni  diligentia  perficiantur“.  §.  2,  Ed.  Pistense
864,  P.  489:  „(Consideravimus)  ...  de  orphanorum  et  viduarum
causis  et  de  regalibus  iustitiis.  .  .“  Diese  Beispiele,  in  welchen  den
Sachen  des  Königs  jene  von  Kirchen,  Witwen,  Waisen  u.  s.  w.
gegenühergestellt  werden,  dürften  genügen  um  darzuthun,  dass  in
den  iustitiae  regales  der  König  Partei,  nicht  etwa  Richter  von
Reservatfallen  ist.  Nicht  der  staatsrechtliche  Begriff  besonderer
Gerichtshoheit  liegt  der  iustitia  regalis  zu  Grunde,  sondern  die
privatrechtliche  Stellung  des  Königthums.  Dass  auch  Strafrechtsfälle,
in  welchen  der  König  oder  gar  nur  das  öffentliche  Interesse  verletzt  erscheint ­
  ,  darunter  subsummiert  werden  können,  erklärt  sich  aus  dem
privatrechtlichen  Charakter  des  germanischen  Strafrechts.  So  ist  es
z.  B.  eine  iustitia  regalis,  wenn  der  Fiscus  wegen  Tödtung  eines
homo  regius  oder  eines  verwandtenlosen  Mannes  dessen  Wergeid
einklagt,  eine  iustitia  regalis,  wenn  auf  ein  Verbrechen  wie  Hochverrath,
  Incest  und  dergl.  Confiseation  des  Vermögens  gesetzt  ist  und
der  Vogt  des  Königs  dasselbe  vindiciert.
Eine  besondere  Rolle  spielen  und  weitaus  die  überwiegendste
Bedeutung  haben  unter  den  Fiscalprocessen  jene,  welche  Grundstücke
oder  Eigenleute  des  Königs  betreffen.  Diese  habe  ich  im  Auge,  wenn
ich  von  Fiscalprocessen  schlechtweg  spreche.  Die  vestitura,  die  Besitzstandfrage ­
  ist  das  eigentliche  und  ursprüngliche  Gebiet  des

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