Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  u.  Inquisitionsheweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  409
Verdächtige  auf  gerichtliches  Erkenntniss  hin  zum  Gottesurthei!
greifen.  Ein  italienisches  Capitular  >),  welches  Baudi  di  Vesme  Karl
dem  Grossen,  Boretius  2 )  dessen  Sohne  Pippin  zuschreibt,  enthält  in
§.  3  s)  folgende  Bestimmung:  „De  Ulis  hominlhus  vel  sacerclotibus  vel
quibuslibet  per  regnum  nostrum,  qui  propter  premia  vel  parentellas ­
  de  nostra  Justitia  inquirentibus  aut  emendantibus  vicia,  veritatem
  ofuscare  volunt  missis  vel  fidelibus  nostris,  ut  se  in  perjuria
mittant:  jubemus  atque  praecipimus  ut  si  suspitio  fuerit  quod
perfurassent  ut  postea  ad  campum  vel  ad  crucem  4 )  judicetur,  ut
ipsa  veritas  vel  perjurium  fiant  declarata.  Et  si  domini  fuerit
voluntas  quod  per  ipsa  judicia  veritas  aut  perjurium  declaretur,
tune  voltimus  atque  jubemus  ut  si  sacerdos  vel  clericus  fuerit,  dupliciter
  bannum  nostrum  persolvat.  .  ,  et  si  laicus  fuerit  widrif/efd
suum  ad  partem  nostrum  persolvat“  5 ).  Der  Eid  des  Inquisitionszeugen ­
  ist,  wie  auch  «aus  dieser  Stelle  wieder  hervorgeht,  ein  promissorischer. ­
  Das  Versprechen  geht  dahin,  alles  sagen  zu  wollen,  was
man  in  der  Sache  weiss,  über  welche  inquiriert  wird.  Ein  Meineid
kann  demnach  auf  zweifache  Weise  stattfmden,  entweder  indem  der
Geschworne  etwas  anderes  sagt  als  er  weiss,  oder  indem  er  das,  was
er  weiss,  nicht  sagt.  Unser  Capitulare  bestimmt  Überfiihrungsart  und
Strafe  solchen  Meineids,  welchen  Priester  oder  Laien  begehen,  die
dem  königlichen  Machtboten  die  Wahrheit  verbergen,  wenn  er  über
Gerechtsame  des  Königs  inquiriert  oder  zurRiige  gewisser  Verbrechen

*)  Vesme  —  Neigeb.  140.
2 )  A.  a.  0.  139.
3 )  Nach  Vesme  §.  6.
Aufgehoben  durch  §.  27,  Cap.  ad  episcopos,  817,  P.  209;  daher  sich  für  chronologische ­
  Einreihung  des  Capitulars  mit  Bestimmtheit  das  Jahr  817  als  terminus  ad
quem  ergibt.  Insofern  ergänze  Boretius  a.  a.  0.
5 )  Das  Capitulare  schärft  in  §.  1  (4)  die  den  Cölibat  betreffende  Bestimmung  aus  can.
3  des  Concils  von  Nicäa  ein,  bestimmt  in  §.  2  die  Strafe  für  Übertretung*des  Verbotes
u.  stellt  das  Verfahren  für  die  bezüglichen  Untersuchungen  fest.  „Quiscumque  de
fidelibus  nostris  hoc  actum  a  nobis  jussum  habucrit  ad  inquirendum  per  regnwm
nostrum  ubicumqueinquisierit,  quales  seniorcs  homines  in  ipsa  loca  fuerint  manentes,
eos  sacramentare  faciat }  ut  per  ipsos  veritas  declaretur.  Insoweit  hat  das  Capitulare
mit  dem  Inquisitionsbeweis  des  Fiscalprocesses  nichts  zu  thun.  Allein  §.  3  geht
über  diese  Grenze  hinaus  und  handelt  ankniipfend  an  die  in  §.  2  angeordnete  inquisitio
  von  den  bei  technischen  Inquisitionen  vorkommenden  Meineiden  im  allgemeinen. ­

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.