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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Brunner

publicus  det  contra  (seil,  testes)  si  vult“.  Liefert  die  inquisitio  kein
Ergebniss,  so  schreitet  der  Kläger  zum  Beweise,  während  sonst,  wenn  der
vom  Beklagten  angetretene  Beweis  misslingt,  der  Beweisführer  eo  ipso
sack  Rillig  ist  <).  Sehr  anschaulich  wird  der  Unterschied  zwischen  dem
Verfahren  per  inquisiti'bnem  und  dem  ordentlichen  Beweisverfahren
hervorgehoben,  wenn  die  Formel  schliesslich  sagt:  „Si  wero  privates
fuerit,  qui  investituram  alteritulit,  non  debet  esse  inquis  itio  per
hoc  capitulum  sed  probat  io  vel  ita  ut  perditor  (seil,  appellator)
appellare  coluerit  et  post  investituram  (seil,  revestituram)  emendetur,
  bannumque  solvatur“.  Inquisitio  und  probatio,  worunter  der
Zeugenbeweis  zu  verstehen  ist,  werden  sich  gegenübergestellt.  Jene
kömmt  „per  hoc  capitulum“,  d.  h.  nach  den  1,  2,  Cap.  missorum
Aq.  817  nur  hei  Vindicationen  gegen  den  Fiscus,  nicht  aber  hei
Klagen  gegen  Privatleute  zur  Anwendung.
Die  richterliche  Auswahl  der  Gemeindegenossen,  die  wir  im
Cap.  von  817  ex  argumenta  a  contrario  gefolgert  haben,  wird  so
bestimmt  als  möglich  angeordnet  in  §.  2,  Cap.  missorum  Worin.
829,  P.  354:  „Item  volumus  ut  omnis  inquisitio  quae  de  rebus  ad
ius  fisci  nostri  pertinentibus  facienda  est,  non  per  testes,  qui  producti
  fuerint,  sed  per  illos  qui  in  eo  comilatu  meliores  et  veraciores
esse  cognoscuntur,  per  illorum  testimonium  inquisitio  fiat  et  iuxta
quod  illi  inde  testificati  fuerint,  vel  contineantur  vel  reddantur“.
Die  Terminologie  des  Capitulars  ist  in  zweifacher  Hinsicht  von  Wichtigkeit. ­
  Es  gebraucht  den  Ausdruck  „testes“,  in  einem  weiteren
Sinne,  der  sowohl  die  gewöhnlichen  Parteizeugen,  als  auch  die  Inquisitionszeugen ­
  umfasst,  indem  die  ersteren  im  Gegensatz  zu  diesen
testes  producti  genannt  werden.  Ebenso  wird  inquisitio  in  einem
weiteren  Sinne  gebraucht,  insofern  diese  Bezeichnung  auch  für  einen
Beweis  per  testes  productos  offen  bleibt.  Wenn  es  fest  steht,  dass  in
Fiscalprocessen  die  „testes“  vom  Richter  zu  wählen  sind,  so  ist  auch
die  oben 3 )  besprochene  Stelle,  §.  3,  Cap.  Aquense,  812,  P.  174

Die  Controverse  der  Formel  „si  non  potuerit  probarc,  aut  rem  pcvdat  aut  ad  aliam
appellationem  sc  volvat  secundam  quosdam“  ist  für  die  karolingische  Zeit  unbedenklich ­
  im  ersteren  Sinne  zu  entscheiden.  Ad  aliam  .  .  .  volvat  heisst  soviel  als
die  Sache  tritt  in  den  Status  quo  ante.  Bekanntlich  ist  ja  die  Processrede  des  Klägers ­
  (die  appellatio)  von  Einfluss  auf  die  Vertheilung  der  Beweisrolle  und  die  Wahl
der  Beweismittel.
*)  Seite  361.
            
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