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Brunner
Verleihung die Reelamation ein, so hat sie den Verdacht gegen sich,
dass dies eine blosse Ausflucht sei. Anderseits soll jedoch die
„reclamatio “ nicht vollständig ignoriert werden, daher die Vorschrift,
dass der Reclamant nicht mehr freien Weg zum König habe, sondern
unter Gewahrsam und mit der königlichen Urkunde, auf die er sein
Berufungsrecht gründet, zu Hof gebracht werde. Unter den „litterae“,
von welchen das Capitulare spricht, sind die Mundbriefe gemeint, da
diese, und soviel wir wissen nur diese, Aas jus reclamandi gewähren ').
Die Massregeln, welche wegen Uberbürdung des Hofgerichtes
durch missbräuchliches Reclamieren ergriffen wurden 2), übergehe ich,
soweit sie uns keinen Anlialtspunct zur Classificierung der dadurch
verpönten Querelen bieten.
Klar und deutlich geht aus $. II, Cap. Vern. 884, P. 353
hervor, dass die reclamatio acl regis definitiv am sententiam nicht
mit der Klage der Partei, sei es nun gegen die urtheilende*, sei es
gegen die richtende Gewalt zu vermengen sei. Das Capitular setzt für
depraedationes und rapinae den besonderen Gerichtsstand, welchen
die Vasallen am Königsgerichte erworben hatten, ausser Kraft. „De
nostris quoque dommicis vassallis iubemus nt si aliquis pruedas
egerit, comes . . ad emendationem eum venire vocet. Qui si comitem
aut missum illius audire noluerit, per forciam illud emendare cogatur.
Quod si proclamaverit se ante praesentiam nostram veile
distringi potius quam ante comitem, per credibiles fideiussores aut
per sacramentum melioris hominis ante nos venire permittatur,
ut ibi talis ratio fine m accipiat... Si vero dixerint, quod eis
comes non secundum legem fecerit sed pro aliqua iracundia aut
invidia quam ante contra illos tenebat, hoc comes eis ante nos
satisfaciat, secundum quod nobis placuerit, quod non ob aliud quam
pro rapina sit actum.- Im ersten Falle, jenem der Reclamatio, wird
die bereits im Gaugerichte anhängige Sache zur Beendigung an das
Königsgericht verwiesen. Im zweiten Falle, dem der Klage gegen
den Grafen, hat dieser vor dem Königsgerichte durch ein vom König
1 J „ Vestrae clementiae cartarn mundboralem ustendi et mihi nihil profuit“ schreibt
nach Formel Roziere 419 eine Frau an den König, welcher angebliche Machtboten
desselben widerrechtlich das Erbgut genommen. Von Rechtswegen hätte
man ihr gestatten sollen, ihre Sache vor den König zu bringen.
3 ) Conf. §. 1, Cap. Aquisg. a. 810, P. 162.