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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Brunner

Verleihung  die  Reelamation  ein,  so  hat  sie  den  Verdacht  gegen  sich,
dass  dies  eine  blosse  Ausflucht  sei.  Anderseits  soll  jedoch  die
„reclamatio  “  nicht  vollständig  ignoriert  werden,  daher  die  Vorschrift,
dass  der  Reclamant  nicht  mehr  freien  Weg  zum  König  habe,  sondern
unter  Gewahrsam  und  mit  der  königlichen  Urkunde,  auf  die  er  sein
Berufungsrecht  gründet,  zu  Hof  gebracht  werde.  Unter  den  „litterae“,
von  welchen  das  Capitulare  spricht,  sind  die  Mundbriefe  gemeint,  da
diese,  und  soviel  wir  wissen  nur  diese,  Aas  jus  reclamandi  gewähren  ').
Die  Massregeln,  welche  wegen  Uberbürdung  des  Hofgerichtes
durch  missbräuchliches  Reclamieren  ergriffen  wurden  2),  übergehe  ich,
soweit  sie  uns  keinen  Anlialtspunct  zur  Classificierung  der  dadurch
verpönten  Querelen  bieten.
Klar  und  deutlich  geht  aus  $.  II,  Cap.  Vern.  884,  P.  353
hervor,  dass  die  reclamatio  acl  regis  definitiv  am  sententiam  nicht
mit  der  Klage  der  Partei,  sei  es  nun  gegen  die  urtheilende*,  sei  es
gegen  die  richtende  Gewalt  zu  vermengen  sei.  Das  Capitular  setzt  für
depraedationes  und  rapinae  den  besonderen  Gerichtsstand,  welchen
die  Vasallen  am  Königsgerichte  erworben  hatten,  ausser  Kraft.  „De
nostris  quoque  dommicis  vassallis  iubemus  nt  si  aliquis  pruedas
egerit,  comes  .  .  ad  emendationem  eum  venire  vocet.  Qui  si  comitem
aut  missum  illius  audire  noluerit,  per  forciam  illud  emendare  cogatur.
  Quod  si  proclamaverit  se  ante  praesentiam  nostram  veile
distringi  potius  quam  ante  comitem,  per  credibiles  fideiussores  aut
per  sacramentum  melioris  hominis  ante  nos  venire  permittatur,
ut  ibi  talis  ratio  fine  m  accipiat...  Si  vero  dixerint,  quod  eis
comes  non  secundum  legem  fecerit  sed  pro  aliqua  iracundia  aut
invidia  quam  ante  contra  illos  tenebat,  hoc  comes  eis  ante  nos
satisfaciat,  secundum  quod  nobis  placuerit,  quod  non  ob  aliud  quam
pro  rapina  sit  actum.-  Im  ersten  Falle,  jenem  der  Reclamatio,  wird
die  bereits  im  Gaugerichte  anhängige  Sache  zur  Beendigung  an  das
Königsgericht  verwiesen.  Im  zweiten  Falle,  dem  der  Klage  gegen
den  Grafen,  hat  dieser  vor  dem  Königsgerichte  durch  ein  vom  König

1 J  „  Vestrae  clementiae  cartarn  mundboralem  ustendi  et  mihi  nihil  profuit“  schreibt
nach  Formel  Roziere  419  eine  Frau  an  den  König,  welcher  angebliche  Machtboten ­
  desselben  widerrechtlich  das  Erbgut  genommen.  Von  Rechtswegen  hätte
man  ihr  gestatten  sollen,  ihre  Sache  vor  den  König  zu  bringen.
3 )  Conf.  §.  1,  Cap.  Aquisg.  a.  810,  P.  162.
            
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