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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Zeugen-  u.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  393
theilung  der  Vollbort  schelten.  Diese  Scheltung  bestand  in  einer
Klage  gegen  die  Urtheiler,  dass  sie  gegen  das  Recht  geurtheilt  hätten. ­
  Der  Beweis  über  die  Rechtmässigkeit  des  Urtheils  wurde  durch
das  Ordal  des  Zweikampfes  erbracht.  Die  Scheltungsklage  war  eine
kampfbedürftige  Klage.  Die  unterliegende  Partei  hatte  jedem  der
Rachineburgen,  beziehungsweise  jeder  der  letzteren  dem  siegenden
Kläger  Russe  zu  zahlen.  Der  Processgegner'  des  Urtheilsclielters
nahm  an  diesem  Incidenzstreite  in  keiner  Weise  thätigen  Antheil.  So
wurde  noch  nach  dem  Sachsenspiegel  das  gescholtene  Urtheil  an  die
rechte  Hand  und  die  mehrere  Menge  gezogen.  Unter  den  Karolingern
waren  diese  Grundsätze  im  allgemeinen  in  Kraft  geblieben.  Doch  war
der  Zweikampf  nicht  mehr  ausschliessliches  Beweismittel  im  Selieltungsverfahren
  >)  und'konnte  die  Klage  wegen  ungerechten  Urtheils
im  Königsgerichte  angebracht  werden.
}  on  der  Scheltungsklage,  die  vor  das  Königsgericht  gezogen
wurde,  ist  zu  unterscheiden:  erstens  die  vor  dem  Königsgerichte
erhobene  Klage,  dass  das  Gaugericht  dem  Verlangen  nach  rechtlicher
Entscheidung  einer  Sache  überhaupt  nicht  entsprochen  habe,
die  Klage  wegen  Justizverweigerung,  und  zweitens  die  Berufung
auf  den  Spruch  des  Königsgerichtes,  die  ohne  Scheltung  des  gaugericlitlicben
  Urtheils  eingelegt  wurde,  die  reclamatio  ad  regis
definitivamsententiam.  Eine  Prüfung  der  einscldagendenCapitularien
soll  die  Unterscheidung  rechtfertigen  und  des  weiteren  ausführen.
§.  7,  Cap.  Pippini,  incerti  anni,  P.  31:  Si  aliquis  liomo  ad
palacium  venerit  pro  causa  sua  et  antea  ad  illum  comitem  non
innotuerit  in  mallo  ante  rachemburgis  —  aut  si  causa  sua  ante
comitem  in  mallo  fuerit  ante  rachemburgis  et  hoc  sustinere  noluerit,
  quod  ipsi  ei  legitime  iudicaverint;  si  pro  ipsis  causis  ad
palacium  venerit,  vapuletur  ...  -)  et  si  reclamaverit  quod  legem
ei  non  iudicassent,  tune  licenciam  liubeat  ad  palacium
venire  pro  ipsa  causa.  Et  si  ipsis  convincere  potuerit  quod  legem  ei
non  iudicassent,  secundum  legem  contra  ipsum  emendare  faciat.
Et  si  comes  vel  rachemburgii  eum  convincere  potuerint,  quod
legem  ei  iudicassent  et  ipse  hoc  recipere  noluerit,  hoc  contra
ipsos  emendare  faciat.  Verboten  wird  durch  dieses  Gesetz  bei

D  Vgl.  Walter  R.  694.
’)  „et  si  maior  persona  fuerit  in  retjis  arbitno  erit“.

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