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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Brun  n  e  r

tionsbeweise  ab,  als  nach  der  lex  Baiuwarioirum,  der  zufolge  von
mehreren  Zeugen  immer  nur  Einer  und  zwar  der  durch  das  Los  erkorene ­
  den  Zeugeneid  leistet.  Allein  diese  Art  des  Verfahrens  vermag  ich
durch  Urkunden  nicht  zu  belegen.  Eine  schwache  und  undeutliche
Spur  bietet  eine  Aufzeichnung  im  Codex  Pataviensis  antiquissimus  aus
den  Jahren  785—797,  MonumentaBoica  XXVIIP,  23,  N.  25.  „Et  per
ipsum  sacramentum  voluit  iurare  Into  castaldins  cum  saeramentalibusi)
  suis  cum  Amm  et  Snellin  et  Altrate  et  cum  ceteris  ut
e(a)dem  causa  fuissent  videntes  et  firmantes“ a ).
Oh  sich  die  Bestimmung  der  lex  Baiuwariorum  auch  den  Capitularien
  gegenüber  gehalten,  die  ein  Verhör  der  einzelnen  Zeugen
vorschreiben,  wage  ich  nicht  zu  entscheiden.  Ich  bezweifle  es.  In
Me  ich  elb  eck  N.  487,  a.  825  schwören  die  Zeugen  insgesammt.
„.  .  tune  juraverunt  in  reliquiis  W.  ...(und  eilf  andere)  ut  illi  eum
de  suo  avo  et  matre  servum  scirent  sancti  esse  Zenonis  vel  sui
parentes.  Post  sacramento  juramenti  dijudicaverunt  populi  et  scabini
  constituti  .  .  .“  Dass  wir  es  hier  mit  einem  Zeugenbeweise  zu
thun  haben,  ergibt  sich  aus  der  assertorischen  Eidesfigur.
In  diametralem  Gegensatz  zu  den  Rechtsgewohnheiten  der  deutschen ­
  Stämme,  stand  das  Zeugenverfahren  der  nach  römischem
Rech  te  lebenden  Bevölkerung  des  fränkischen  Reiches.  Abgesehen
davon,  dass  das  ganze  Beweisprincip  ein  anderes  war,  tritt  ein  Unterschied ­
  in  Bezug  auf  den  Zeitpunct  der  Beeidigung  der  Zeugen  zu  Tage.
Während  der  deutsche  Zeugeneid  assertorisch  geschworen  wurde,
legten  die  Romanen  vor  der  Vernehmung  einen  promissorischen  Eid
ab.  L.  9,  Codex  Just.  IV,  20  (L.  3,  Cod.  Theodos.  de  fide  testiumXI,  39)  :
„Jurisjurandi  religione  testes,  priusquam  perhibeant  testimonium
jam  dudum  arctari  praecepimus  et  ut  honestioribus  potius  fides
testibus  habeatur“.  Es  galt  dies  nicht  nur  für  das  Criminal-,  sondern
auch  liirdas  Civilverfahren.  L.  16,  Cod.  Just  I.  c.:  „Constitutio  jubet
non  sotum  in  criminalibus  judiciis  sed  etiam  in  pecuniariis  unumquemque
  cogi  testimoniumperliibere  de  his  quae  novit  cum  sacramenti
  praestatione  vel  jurare  se  nihil  compertum  habere“.  Dass
0  Lex  Baiuw.  LL.  III,  3.  Text,  XVI,  (>:  „Honet  ttrma  sua  ad  sacrandum  (testis)  ct
per  ea  iuret  ipsum  verbum  cum  üno  sacramentale“.
2 )  Ein  Zeuge  entscheidet  in  Iiied,  Codex  dipl.  Ratisp.  I,  24,  N.  23,  a.  822.  Doch
ist  hier  von  keinem  Schwur  die  Rede  und  der  Full  ein  ausserordentlicher,  da  der
Zeugenbeweis  von  den  Parteien  gewillkürt  wurde.
            
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