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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Zeugen-  11.  Inquisitionsbeweis  im  deutschen  Gerichtsverfahren  etc.  379

führt  die  Partei  die  von  ihr  gewählten  Zeugen  vor.  „Veniens  SaUclio
.  ■  .  presentavit  octo  festes  legitimos  quorum  nomina  .  :  Kindlinger*)
  217  a.  814.  —„Per  judicium  dedit  novem  testimonin
legitima,  honas  et  veracesPerard  Seite  14,  a.  876  -).  Die  Production ­
  der  Zeugen  konnte  übrigens  auch  schon  vor  dem  Urtheile
stattfinden.  Perard  N.  17:  tcdes  festes  de  presente  presentavit  .  .  .
tune  ei  judicatum  fuit  quod  suos  festes  de  presente  liabuisset,  qui
lioc  adprohare  potuissent 3 ).
Nach  Prüfung  der  Zeugenfähigkeit,  die  wir  unbedenklich  hier
einschieben  können,  wurde  die  discussio,  inquisitio  testium,  das
Zeugenverhör,  der  Neuerung  der  Capitularien  gemäss,  vorgenommen.
Während  nach  dem  Verfahren  der  westgothischen  Urkunden
das  Verhör  vor  dem  Urtheile  und  der  gerichtlichen  Ausfertigung  der
condictiones  sacramentorum  stattfindet,  das  Urtheil  also  auf  Grundlage ­
  der  discussio  testium  ergeht,  dehnt  nach  fränkischem  Rechte  das
Gericht  seine  Thätigkeit  durch  die  Vernehmung  der  Zeugen  auf  das
Verfahren  nach  dem  Urtheile  aus.  Perard  N.  18  scldiesst  mit  dem
Beweisvertrage  der  Parteien.  Unmittelbar  darauf  (Perard  19)  folgt
die  Notitia  über  die  Ableistung  des  in  Perard  N.  18  aufgetragenen
Zeugenbeweises.  „Fredelus  in  ecclesia  sancti  Johannis  in  ipsa  civitate
  ubi  alia  sacramentapercurrunt,  ante  ipsos  7nissos  duodecim
testimonia  praesentavit  Iris  nominibus  .  .  .  Ipsa  testimonia  .  .  .  discussi
  fuerunt  et  super  ipso  altario  .  .  .  iurati  dixerunt.  .  .  “
Der  Gegensatz  zwischen  formloser  Aussage,  wie  sie  dem  Verhör
entspricht  und  eidlichem  Zeugnisse  wird  in  den  Urkunden  mit  genügender ­
  Deutlichkeit  betont.  „Ipsi  homines  sic  testimoniaverunt
quod  per  lege  servus  sancti  illms  aderat  debitus,  et  quomodo  lioc
testimoniaverunt  super  altario  sancti  illius  in  illa  capella...ubi  reliqua
  sacramenta  soluta  sunt,  iurati  dixeruntRoziere  472—

')  Geschichte  der  deutschen  Hörigkeit.
2 )  Vgl.  noch  Perard  N.  16,  17,  18,  19  und  Bouquet  V,  703,  a.  739,  Böhmer  14.
3 )  Nach  §.  12,  Cap.  I.  Sal.  add.  a.  819,  P.  226  kann  sogar  der  Kläger  gleich  bei
Anbringung  der  Klage  Zeugen  producieren.  Der  Beklagte  verliert  dadurch  nicht
sein  näheres  Recht  zum  Zeugenbeweis,  denn,  wenn  er  davon  Gebrauch  macht,
werden  des  Klägers  Zeugen  als  Gegenzeugen  behandelt,  deren  Production
anticipiert  worden.  Da  einer  von  diesen  Zeugen  kämpfen  musste,  so  hat  die  Klage
mit  Zeugen  allmählich  den  Charakter  einer  Duellklage  angenommen,
            
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