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Brunner
U. a. beziehen auch Wai'tz, Koni'. Maurer und Walter 1 ) dies
Verbot auf die Production von Zeugen. Testes mittere kann allerdings
die Zeugenproduction ausdriicken s) und judicium bezeichnet
zwar in erster Linie das Urtheil, jedoch auch das Gericht. Hier aber
bedeutet es das erstere und ist mit Urtheil, Oi'dal, Gottesurtheil zu
übersetzen. So wie die deutsche Sprache das Gottesurtheil Ordal
(hochd. Urtheil) schlechtweg nennt, so brauchen auch die Capitularieii
das Wort judicium für judicium dci So sagt z. B. ein Capitular,
das nur um ein Jahr jünger ist, als diese Stelle, §. 10, Cap. Aq. 809,
P. 156: „ut presbiter, qui sanctnm crismam donaverit ad iudicium
subvertendum.... manum amittat“ ; das bei Baudi di Vesme—Neigebauer
S. 140 abgedruckte Capitular (§. 12, P. 193): si domini fuerit
voluntas quod per ipsa judicia veritds aut perjurium declaretur ..;
das Fragment eines sächsischen Capitulars P. 170, §. 5: „Si servam
cuiuslibet absque aliqua conprobatione conprelienderit, ipse servus
aut ad aquam ferventem aut ad aliud iudicium se idoniare faciat“.
Dass die Quellen von einem „mittere in sacramentum“ von einem
„ire in judicium (sc. dei)“ sprechen, will ich nicht allzusehr betonen.
Entscheidend ist dagegen die Analogie folgender zwei Stellen. §. 11,
Cap. missorum, 803, P. 115: „ut nullus presumat liominem injuditio
mittere . . . nisi judicafum fiat“. Capitularienfragment in L. L.
Loth. 78 3 ) (P. 371,§. 1, Loth. Cap. Lang.): „si in qualibet persona
suspectio fuerit, si servus est ad iuditium dominus eins cum
mittat aut ipse pro eo sacramentum faciat; quod si libera persona
fuerit, proprio sacramento se idoneum reddat“.
In beiden Stellen kann der fragliche Ausdruck nichts anderes
bedeuten als zum Gottesurtheil zwingen. Steht diese Auslegung demnach
auch für §. 8 des Cap. Noviom. fest, so bezieht er sich nicht
auf die Production der Zeugen, enthält also auch kein Verbot derselben.
Nur insofern kömmt jene Bestimmung hier in Betracht. Der
positive Gehalt derselben berührt uns hier nicht weiter, nur vorläufig
f) Siehe oben S. 338, N. 2.
®) Für den Sprachgebrauch der Volksreehte vgl. Siegel, 231, für den der Capitularien
§. 19, P. 111 und §. 9, P. 113.
a ) Vergl. darüber Boretius a. a. O. 183: „Loth. 78, 79, erregen hinsichtlich ihrer
Echtheit keine Bedenken u. scheinen Theile eines verloren gegangenen Capitulars,
sei es Lolhar’s, sei es Ludwig’s II. zu sein“.