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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Brunner

U.  a.  beziehen  auch  Wai'tz,  Koni'.  Maurer  und  Walter 1 )  dies
Verbot  auf  die  Production  von  Zeugen.  Testes  mittere  kann  allerdings ­
  die  Zeugenproduction  ausdriicken  s)  und  judicium  bezeichnet
zwar  in  erster  Linie  das  Urtheil,  jedoch  auch  das  Gericht.  Hier  aber
bedeutet  es  das  erstere  und  ist  mit  Urtheil,  Oi'dal,  Gottesurtheil  zu
übersetzen.  So  wie  die  deutsche  Sprache  das  Gottesurtheil  Ordal
(hochd.  Urtheil)  schlechtweg  nennt,  so  brauchen  auch  die  Capitularieii
  das  Wort  judicium  für  judicium  dci  So  sagt  z.  B.  ein  Capitular,
das  nur  um  ein  Jahr  jünger  ist,  als  diese  Stelle,  §.  10,  Cap.  Aq.  809,
P.  156:  „ut  presbiter,  qui  sanctnm  crismam  donaverit  ad  iudicium
subvertendum....  manum  amittat“  ;  das  bei  Baudi  di  Vesme—Neigebauer ­
  S.  140  abgedruckte  Capitular  (§.  12,  P.  193):  si  domini  fuerit
voluntas  quod  per  ipsa  judicia  veritds  aut  perjurium  declaretur  ..;
das  Fragment  eines  sächsischen  Capitulars  P.  170,  §.  5:  „Si  servam
cuiuslibet  absque  aliqua  conprobatione  conprelienderit,  ipse  servus
aut  ad  aquam  ferventem  aut  ad  aliud  iudicium  se  idoniare  faciat“.
Dass  die  Quellen  von  einem  „mittere  in  sacramentum“  von  einem
„ire  in  judicium  (sc.  dei)“  sprechen,  will  ich  nicht  allzusehr  betonen.
Entscheidend  ist  dagegen  die  Analogie  folgender  zwei  Stellen.  §.  11,
Cap.  missorum,  803,  P.  115:  „ut  nullus  presumat  liominem  injuditio
  mittere  .  .  .  nisi  judicafum  fiat“.  Capitularienfragment  in  L.  L.
Loth.  78 3 )  (P.  371,§.  1,  Loth.  Cap.  Lang.):  „si  in  qualibet  persona ­
  suspectio  fuerit,  si  servus  est  ad  iuditium  dominus  eins  cum
mittat  aut  ipse  pro  eo  sacramentum  faciat;  quod  si  libera  persona
fuerit,  proprio  sacramento  se  idoneum  reddat“.
In  beiden  Stellen  kann  der  fragliche  Ausdruck  nichts  anderes
bedeuten  als  zum  Gottesurtheil  zwingen.  Steht  diese  Auslegung  demnach ­
  auch  für  §.  8  des  Cap.  Noviom.  fest,  so  bezieht  er  sich  nicht
auf  die  Production  der  Zeugen,  enthält  also  auch  kein  Verbot  derselben. ­
  Nur  insofern  kömmt  jene  Bestimmung  hier  in  Betracht.  Der
positive  Gehalt  derselben  berührt  uns  hier  nicht  weiter,  nur  vorläufig

f)  Siehe  oben  S.  338,  N.  2.
®)  Für  den  Sprachgebrauch  der  Volksreehte  vgl.  Siegel,  231,  für  den  der  Capitularien
  §.  19,  P.  111  und  §.  9,  P.  113.
a )  Vergl.  darüber  Boretius  a.  a.  O.  183:  „Loth.  78,  79,  erregen  hinsichtlich  ihrer
Echtheit  keine  Bedenken  u.  scheinen  Theile  eines  verloren  gegangenen  Capitulars,
sei  es  Lolhar’s,  sei  es  Ludwig’s  II.  zu  sein“.
            
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