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Brunner
Vorgänge zeugten, die ihnen als Nachbarn oder Gemeindegenossen
bekannt sein mussten.
Bei beiden Arten von Zeugen fand im Verfahren das Verhandlungsprincip
seinen ungetrübten Ausdruck. Nicht blos auf Geschäfts-,
sondern auch auf Gemeindezeugniss wurde durch zweizüngiges Urtlieil
erkannt ‘)- Nicht nur die Geschäfts-, sondern auch die Gemeindezeugen
wurden von der Partei produciert. Unvereinbar mit dem
Wesen des alten Verfahrens wäre die Annahme, dass die Gemeindezeugen,
da ja jeder Gemeindegenosse so genau wie der andere um
ein ortskundiges Verhältniss wissen konnte, nicht von der Partei
sondern vom Gerichte seihst herbeigezogen worden seien. Das
Gericht stand dem Zeugenbeweis ebenso ferne, wie jedem anderen
formalen Beweismittel, welches die Partei der Partei gegenüber auf
gerichtliches Urtheil hin selbstthätig und selbständig zur Anwendung
brachte. Es wurde ja seihst das Zeugniss über gerichtliche
Acte, das sogenannte Dingzeugniss in ältester Zeit nicht von Richter
und Schöffen, sondern lediglich durch Zeugen, die von den Parteien
seihst aufgerufen worden, abgelegt ~).
Abgesehen von einer Ausnahme des langobardischen Rechtes,
wird der Zeugenbeweis in der Weise geführt, dass die Zeugen das
durch das Urtheil festgestellte Beweisthema beschwören. Der Inhalt
des Zeugnisses stand von vorne herein fest; die Zeugen hatten Wort
für Wort zu sprechen, sicut judicium loquitur 3 ). Eine Ungewissheit
bestand nur insofern, als es fraglich war, ob die Zeugen den Urtheilssatz
beschwören würden oder nicht. Der Inhalt der Aussage an sich
1) Conf. R o z i e r e 489 (form. A n d e ga v. 29) : „Taliter visum fait.... in noctis tantis
daret homines tantus bene fidem habentes vicinis circa mancntis, qui de presente fuissent
et vidissent . ... nt hoc in basilica coninrare debcrit. (Si hoc fuccre
potuerit) ipsius Uli per lege emcndarc studiut; sin autem non potuerit de hac causa
ipsi Uli omni tempore ductus, quietus atque securus valeat residere“. Pardessus N.
478, Urkunde von 710 : „... fuitjudecatum ut sex homenis de Verno et scx de Latiniaco
bone fideus in oraturio .. . hoc debirent conjurare, quod a longo tempore semper ipse
farinarius ad ipso Latiniaco curte Sancti Dionisii aspexisset et ibidem iustissimi
redebebatur u . S.Denis erbringt den Zeugenbeweis in Gegenwart eines Vertreters
(auditor) der Gegenpartei und lässt sich darüber eine Urkunde aussteilen.
2 ) Konrad Maurer. Das Beweisverfahren nach deutschem Recht. Kritische Überschau
V, 192.
°) Perard 35 N. 18. Vergleiche unten die Darstellung des Zeugenverfahrens einzelner
Stammesrechte nach Urkunden karolingischer Zeit.