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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Reisebericht  über  die  Forschungen  nach  Weisthümern  etc.  311

dass  mehrere  Mitglieder  der  letzteren,  darunter  namentlich  Herr
Dr.  M.  Chiari,  schon  früher  auf  die  Salzburger  Weisthümer  die  Aufmerksamkeit ­
  gerichtet  und  eine  Sammlung  derselben  in  Aussicht
genommen  hatten.  Mit  um  so  grösserm  Dank  verdient  es  anerkannt  zu
werden,  dass  der  Verein,  sobald  er  von  dem  Unternehmen  der  kais.
Akademie  Kunde  erhielt,  von  seinem  Vorhaben  ahstand  und  das
gesammelte  Material  bereitwillig  und  uneigennützig  der  Weistlnimer-Commission
  zur  Verfügung  stellte.
Auf  diese  Weise  sah  sich  dieselbe  noch  vor  Jahresfrist  im  Besitz
einer  ansehnlichen  Reihe  zum  Theil  sehr  umfangreicher,  wichtiger
salzburgisclier  Rechtsdenkmäler  und  sie  durfte  die  Frage  an  sich
stellen,'oh  es  nicht  angezeigt  wäre,  gerade  mit  den  Weisthümern
dieses  Kronlandes,  die  bis  auf  ein  einziges  gänzlich  unbekannt  sind
und  für  sich  allein  nahezu  einen  Band  füllen  würden,  die  Sammlung
zu  eröffnen.
Einen  auffallenden  Gegensatz  zu  Salzburg,  das  einen  so  regen
Eifer  an  den  Tag  legte,  bildete  Tirol,  wo  das  Unternehmen  so  gut
wie  gar  keine  Theilnahme  fand;  kaum  dass  ein  paar  Anzeigen,  welche ­
  das  Vorhandensein  einiger  Weisthümer  constatiertcn,  einliefen;
aber  eingeschickt  wurde  nichts.  In  gleicher  Weise  und  ebenso  wirkungslos ­
  verhallte  vor  fünfundzwanzig  Jahren  in  den  Tiroler  Bergen ­
  der  Aufruf  Jacob  Grimm's:  die  spärlichen  Weisthümer  aus  Tirol,
die  im  dritten  Bande  seiner  Sammlung  wenig  über  einen  Bogen  einnehmen ­
  (S.  720  —  739),  hat  er  nicht  von  dort  erhalten,  sondern
mühsam  aus  gedruckten  Büchern  zusammenlesen  müssen.  Und  doch
liess  die  Eigenart  dieses  kernhaften,  mit  Zähigkeit  an  seinen  alten
Freiheiten  festhaltenden  Volkes,  sowie  die  Autonomie,  deren  es  sich
vor  anderen  der  Monarchie  bis  auf  die  Gegenwart  erfreut,  mit
Sicherheit  vorausetzen,  und  hie  und  da  gemachte  Wahrnehmungen
bestätigten  es,  dass  Tirol  nicht  arm  an  solchen  Rechtsdenkmälern
sein  könne  und  nur  besondere  Umstände  das  Hervortreten  derselben
an  die  Öffentlichkeit  verhindern.
Diese  Sachlage,  das  freundliche  Entgegenkommen  dort,  die
spröde  Zurückhaltung  hier,  weckten  diesen  Sommer  im  Referenten
den  Entschluss,  die  Herbstferien,  die  er  zum  Theil  in  Salzburg  zu
verbringen  gedachte,  im  Interesse  der  Weisthümer-Sammlung,  namentlich ­
  auch  zu  einer  Entdeckungsreise  nach  Tirol  zu  verwenden.
            
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