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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Siegel

Seele  Cusa's  hervor,  dass  er  aufs  tiefste  verletzt  dein  kaum  ergriffenen
Berufe  für  immer  entsagte  und  übertrat  in  den  geistlichen  Stand,
in  welchem  er,  nachmals  zur  Würde  eines  Cardinais  und  Bischofs
von  Brixen  erhoben,  bekanntlich  einer  der  bedeutendsten  Vertreter
der  allgemeinen  Kirche  wurde.  Doch  hatte  der  grosse  Gottesgelehrte
Sinn  und  Theilnahme  für  das  Recht  keineswegs  verloren.  Noch  als
Decan  zum  heiligen  Florian  in  Coblenz  nahm  er  an  dem  Basler
Concile  Theil,  dem  er  sein  berühmtes  Werk  vorlegte  de  concordautia
catholica  oder  über  die  Kirche  und  deren  beide  Bestandtheile,  das
Priesterthum  und  das  heilige  Regiment.  Bei  dem  innigen  Zusammenhänge ­
  zwischen  dem  geistlichen  und  weltlichen  Regimente  kam  Cusa
auch  auf  die  Schäden  und  Gebrechen  zu  reden,  an  welchen  das
Reich  litt.  Als  Heilmittel  hiefiir  erschienen  ihm  die  von  Alters  üblichen,
aus  den  vorzüglichsten  Gliedern  des  Reiches  bestehenden  Versammlungen, ­
  vorausgesetzt  dass  sie  recht  gehalten  und  regelmässig  fortgesetzt ­
  würden  15 -).  Auf  ihnen,  sagte  er,  wurden  ehedem  die  erspriesslichsten
  Massregeln  beschlossen  gegen  Treulosigkeit,  Betrug,
Raub  und  Mordbrand,  während  in  der  ganzen  Zeit,  so  lange  es  Cusa
gedenken  mochte,  kaum  ein  Reichstag  gehalten  worden  war,  auf
welchem  eine  andere  Frage  als  die  Hussitenangelegenheit  Gegenstand
der  Berathung  gewesen  wäre,  und  mehrmals  die  Berufung  sogar
erfolglos  geblieben  ist.  Daher  schlug  Cusa  regelmässig  widerkehrende
Versammlungen  vor.  Alljährlich  zu  Pfingsten  sollten  die  Herren  Landrichter ­
  und  Kurfürsten  einen  Tag  in  des  Reiches  Wahlstadt  unter
dem  Vorsitze  des  Kaisers  oder  eines  Kurfürsten  halten  zur  Berathung
der  Reichs-  und  Landes-Angelegenlieiten  und  zur  Besserung  dessen,
was  der  Besserung  bedürfte.  Ausserordentlicher  Weise  —  meinte  er
weiter  —  könnte  noch  immer,  wenn  eine  wichtige  Sache  die  zahlreiche
Versammlung  aller  Fürsten  verlangte,  eine  solche  ebenfalls  nach
Frankfurt  oder  an  einen  anderen  Ort  berufen  werden.  Neben  dem
alljährlichen  ordentlichen  Kurfürsten-  und  Richtertage  aber  verlangte
Cusa  eine  zweite  regelmässige  Versammlung  in  Frankfurt,  welche
zum  geringsten  einen  Monat  währen  sollte,  im  Mai  und  September,
und  an  der  ausser  den  vorgenannten  Gliedern  des  Reiches  Abgesandte

453)  Vgl.  die  coiicordantia  lib.  3  cap.  33  in  Nie.  Cusani  opera  (Basler  Ausgabe)  p.  813,
816.
            
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