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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Gelalir  vor  Gericht  und  im  Rechtsg-ang.

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Als  Kaiser  Rothbart  den  flandrischen  Kaufleuten  in  einem  Privilegium ­
  vom  Jahre  1173  vier  Märkte,  zwei  in  Aachen  und  zwei
in  Duisburg  errichtete,  setzte  er  fest,  dass  derjenige,  von  welchem
Waaren,  die  nicht  gerichtlich  verpfändet  worden,  zuriickgefordert
würden,  mit  einem  Eide  ohne  Gefahr  der  Schuld  sich  sollte  entreden
können.  Auch  sollte  Jeder,  der  eine  kampfwürdige  Klage  erhöhe,
von  ihnen  den  Entsehuldigungseid  und  zwar  einen  Eid  ohne  die
Gefahr  sich  gefallen  lassen  müssen  ««).  —  Von  dem  Grafen  Adolf  III
von  Holstein  wurde  den  Kaufleuten  aus  Hamburg  das  Vorrecht  zu
Theil,  dass  sie  in  der  ganzen  Grafschaft  nach  ihrem  Rechte  ohne
Gefahr  sich  losschwören  dürften  '~ :i ),  und  die  gleiche  Freiheit  wurde
sogar  im  ganzen  Herzogthum  Sachsen,  ja  im  ganzen  Reiche,  wo
immer  sie  belangt  werden  möchten,  den  höllischen  Kaufleuten  von
Kaiser  Friedrich  I.  in  dem  Jahre  11S8  eingeräumt  Man  darf  wob)
behaupten,  dass  der  Schwur  des  Entschuldigungseides  ohne  Gefahr
auf  die  Einklagung  einer  läugbaren  Schuld  am  Ende  des  zwölften
Jahrhunderts  als  ein  wesentlicher  Bestandteil  und  hauptsächlicher
Vorzug  des  modernen  Handels-  oder  Kaufmannsrechtes  betrachtet
wurde  i25 ).  Unzweifelhaft  ist  in  dieser  Anwendung  die  gefahrlose

132 )  Dipl,  bei  Warnkönig,  Flandrische  Staats-  mul  Rechtsgescliichte  im  Urkundenanhang
1  ,  39.  40:  —  ille  a  quo  bona  requiruntur  sacramento  sine  vara  se  expurget,  qnod
bonornm  debilor  non  exstiterit  ....  sed  si  qnid  in  eum  haberef  dicere,  juramentum
  illins  absque  vara  recipiat.
Vgl.  Lappenberg,  Hamburg.  Reehtsalterthiimer  1,  XL.
1-i ^)  Dipl,  bei  Hacb,  Liibisehes  Recht  S.  172:  Et  qnicnnque  ipsorum  supra  cansa  quaounqne
  conveniatnr  per  omnes  imperii  nostri  lines  et  per  dneatum  coram  loci  illins
jndice  se  expnrgabit  absqne  captione  secnndom  jura  jam  diele  civitatis.
125 )  Tn  einem  Vertrage,  welchen  die  Bürger  von  Cöln  mit  den  Flanderern  im  Jahre  1197
anfrichteten,  wurde  ohne  Weiteres  eine  entsprechende  Bestimmung  anfgenommen.
S.  die  Urkunde  bei  Warnkönig  a.  a.  0.  S.  43  t  si  quis  ab  eo  (einem  abreisenden
Flanderer)  dehitum  repetit  unde  testes  habuerit  secnndum  ins  Coloniae  eum  convincere
  dcbet  et  amplius  eum  non  retardabit;  qnod  si  testes  non  habuerit,  ille  qui
impetitur,  -simplici  juramento  sola  manu  sine  interceplione  quod  bivanc  est  —  se
purgabit  et  über  erit.  Vgl.  ferner  die  Urkunde  Otto’slV.  über  eine  Sühne  zwischen
den  Cölnern  und  Flanderern  1197—1213  ebenda  S.  42,43  :  Si  vero  contigerit  de  aliis
eivibus  coloniensibus  aliquem  de  Flandrensibus  liominibus  ad  nostrae  vindicationis
(iurisdictionis)  sententiain  pertinentes  (sic)  pro  sua  amissione  in  causam  trahere  voluerit,
  exceptis  nobilibus  et  magnatihus  terrae  ipse  ad  expurgandum  se  sola  manu
sine  captione  verborum  quod  vulgo  bevanc  dicftur  exbibebit.
            
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