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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Siegel

zu  behalten  oder  abzugewinnen 11 «).  Öfter  bezog  sich  die  Befreiung
blos  auf  den  Unschuldseid  des  Beklagten  117 ).  In  diesem  Umfange
wurde  die  Freiheit  den  Holländern,  welche  im  zwölften  Jahrhundert
auf  die  bedeutenden  Güter  der  Kirche  von  Naumburg  gezogen  worden
waren  und  dort  eine  Ansiedelung  gegründet  hatten,  gewährt  von
dem  Bischöfe  Wichman,  dem  berühmten  nachmaligen  Erzhiseliofe  von
Magdeburg 118 ).  Dieselbe  Freiheit  wurde  ferner  in  fast  gleichlautender ­
  Form  von  Heinrich  dem  Löwen,  dem  Herzog  von  Sachsen
und  Bayern  im  Jahre  1171  und  von  Erzbischof  Hartwig  II.  ihren
Ansiedlern  aus  Holland  verliehen  11! ').  Weiter  beschränkte  sich
auf  diesen  Eid  die  Freiheit,  welche  als  ein  Vorrecht  den  Bürgern ­
  der  Stadt  Hildesheim  in  Streitigkeiten  mit  Gästen  zukam  's»)
und  welche  den  Juden  in  Thüringen  von  den  drei  Markgrafen  Friedrich ­
  ,  Balthasar  und  Wilhelm  im  Jahre  1368  verliehen  wurde 1 * 1 ).

H 6 )  Urkunde  des  Erzbischofs  Wichmann  von  Magdeburg  aus  dem  Jahre  1188,  §.  1  bei
Gaupp,  Das  alte  magdeburg.  Hecht  216:  convenimus  ul  distractio  (sic)  qui  vara
appellatur,  solis  iuramentis  qui  pro  rebus  obtinendis  vel  abdieandis  fieri  solent
exceptis,  perpetualiter  postposita  sit.
117 )  Die  Befreiung  von  der  Gefahr  und  die  Zulassung  einer  Erholung  begegneten  sich,
ohne  dasselbe  zu  bedeuten.  Wenn  letztere  beim  Eide  gestattet  wurde,  so  lag
darin  keine  Befreiung  von  der  Gefahr  sondern  nur  eine  Minderung  derselben,
die  selbst  wieder  von  verschiedenen  Graden  war  (vgl.  hierüber  Abhandlung
S.  235—244),  je  nachdem  die  Erholung  unbeschränkt  oder  nur  beschränkt
gestattet  war.
118 )  Urkunde  vom  Jahre  1152  in  Thüringische  Rechtsdenkmäler  1,  145:  si  quis  eorum
iuramento  expurgare  voluerit,  nnlla  occasione  impediatur,  nullis  verborum  insidiis
capiatur.  Dem  Ausdrucke  occasione  fügt  Rössler,  Stadtrechte  von  Brünn  CII  fragend
bei:  ohservatione,  und  Homeyer  Richtsteig  S.431  bringt  die  occasio  in  Zusammenhang ­
  mit  dem  Niederbücken,  das  in  Aachen  1166  aufgehoben  wurde.  S.  obenS.  144.
119 )  Dipl.  Henrici  bei  Haitaus  Glossarium  sp.  437:  Juramentum  ante  judicem  secularem
facient  sine  calumnia  verborum,  que  leutonice  dicitur  vare.  Dipl.  Hartwici  bei
Vogt,  Monumenta  bremensia  1,  10:  Juramentum  ante  iudicem  secularem  sine  insidiis ­
  verborum,  quod  vulgo  dicitur  vare  facient.
12 °)  Statuten  von  Hildesheim  bei  Pufendorf,  Observaliones  4,  285:  Quivis  burgensium
debet  alteri  civi  pro  debitis  sub  excomunicatione  regali  jurare  suh  pena,  que
dicitur  vare,  scilicet  pro  unscult.  Nullus  civis  debet  hospiti  jurare  sub  pena,  que
dicitur  vare;  hospes  autem  tenetur  civi  jurare  sub  pena  que  dicitur  vare,  sub  excomunicatione ­
  regali.
* 21 )  Dipl,  bei  Biener,  Op.  academ.  1,  256:  were  ouch  ab  keyn  jude  stramlille  an  synem
evde  ane  argelist,  daz  solde  ym  nicht  zcu  varin  sten  wider  keyn  richter  noch  den
cleger.  unnd  er  sollte  dorum  nicht  czu  schaden  kumen.
            
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