Die Gefahr vor Gericht und im Rechtsgang.
1 53
hebung in die Form persönlicher Befreiung gekleidet 10 °). D,oss dann in
einem Hofe nicht immer allen Hofhörigen, im Frauenkloster Gandersheim
blos den Liten 1 i»), in einer Stadt nicht immer den Gästen gleich
den Bürgern 111 ), ja nicht einmal der gesammten Bürgerschaft, wie
anfänglich in Stade ll2 ), die Befreiung zu Tlieil wurde, ist bereits bemerkt
worden. Oh die Befreiung sowohl auf die Gefahr des Gerichtes
als auch auf diejenige, welche den Sachwaltern gegenseitig in der
Verhandlung drohte, sich erstreckte oder Idos auf die erstere sich
beschränkte oder nur auf die letztere sich bezog, ist oft schwer zu
bestimmen 113 ). Im ersten und dritten Falle war ferner die Befreiung
bald eine ausnahmslose, bald wurde sie unter gewissen Voraussetzungen
Vorbehalten 114 ). So sollte derjenige, welcher wegen eines
grossen Frevels festgenommen und vor das Vogteigericht des Klosters
Ludesburg gestellt würde, als Beklagter der Freiheit nicht gemessen
115 ), und in Magdeburg sollte ausnahmsweise das alte Recht in
Wirksamkeit bleiben hei Eiden, welche geschworen wurden um Gut
109 ) Vgl. namentlich die Gunstbriefe für die Bürger von Stade von Kaiser Otto IV.
aus dem Jahre 1209 hei Pufendorf 2, 152 (Concedimus itaque ipsis et indulgemus,
ut burgenses et optimi cives coram advocato vel alio quovis judice iuricapium,
quod vulgnriter vare dicitur, in judicio omni modo non sustineant) und dem Erzbischof
Hildebold von Bremen aus dem Jahre 1259 bei Pufendorf 2, 157 (Nullum
juricapium, quod vulgo vare dicitur, coram advocato vel alio quovis judice (cives
Stadenses) sustinebunt.
110 ) S. oben Note 102.
111 ) Vgl. unten Note 120.
112 ) S. den ersten Gunstbrief für Stade in Note 109.
113 ) Entschieden blos auf die Gefahr vor Gericht beziehen sich die für den Send nach
altem Soester Rechte gütigen Bestimmungen: synodus vero sine cavillatione (et
captiositate jüngere Hds.) est tenenda (älteste Statutarrechte 4 bei Seibertz 2, 49)
und : dey provest van Suyst.. sal. .den sent. .sitten sunder seheltword unde sunder
vare. (alte Soester Sehrae 5. 1350 bei Seibertz 3, 389).
***) Keine Ausnahme enthält der von Bischof Theoderich bewirkte Vergleich zwischen
der Olmützer Kirche und ihren Gotteshausleuten zu Slavonyn vom Jahre 1299 bei
Boczek, Cod. diplom. Morav. 5, 117: et de omni timore pene seu culpe, quod
vulgariter Aneibare (s. ane vare) dicitur, in communi seu generali iudicio — i. e.
panthedinc — liberi debent esse; excepto, si aliquis eorum delinquit vel specialiter
excedit, ille specialiter secundum quod iustum fuerit, puniatur tarnen gracia
mediante.
115 ) S. oben Note 105.