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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Gefahr  vor  Gericht  und  im  Rechtsgang.

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hebung  in  die  Form  persönlicher  Befreiung  gekleidet  10 °).  D,oss  dann  in
einem  Hofe  nicht  immer  allen  Hofhörigen,  im  Frauenkloster  Gandersheim ­
  blos  den  Liten  1 i»),  in  einer  Stadt  nicht  immer  den  Gästen  gleich
den  Bürgern 111 ),  ja  nicht  einmal  der  gesammten  Bürgerschaft,  wie
anfänglich  in  Stade  ll2 ),  die  Befreiung  zu  Tlieil  wurde,  ist  bereits  bemerkt ­
  worden.  Oh  die  Befreiung  sowohl  auf  die  Gefahr  des  Gerichtes
als  auch  auf  diejenige,  welche  den  Sachwaltern  gegenseitig  in  der
Verhandlung  drohte,  sich  erstreckte  oder  Idos  auf  die  erstere  sich
beschränkte  oder  nur  auf  die  letztere  sich  bezog,  ist  oft  schwer  zu
bestimmen  113 ).  Im  ersten  und  dritten  Falle  war  ferner  die  Befreiung
bald  eine  ausnahmslose,  bald  wurde  sie  unter  gewissen  Voraussetzungen ­
  Vorbehalten  114 ).  So  sollte  derjenige,  welcher  wegen  eines
grossen  Frevels  festgenommen  und  vor  das  Vogteigericht  des  Klosters
Ludesburg  gestellt  würde,  als  Beklagter  der  Freiheit  nicht  gemessen ­
 115 ),  und  in  Magdeburg  sollte  ausnahmsweise  das  alte  Recht  in
Wirksamkeit  bleiben  hei  Eiden,  welche  geschworen  wurden  um  Gut

109 )  Vgl.  namentlich  die  Gunstbriefe  für  die  Bürger  von  Stade  von  Kaiser  Otto  IV.
aus  dem  Jahre  1209  hei  Pufendorf  2,  152  (Concedimus  itaque  ipsis  et  indulgemus,
ut  burgenses  et  optimi  cives  coram  advocato  vel  alio  quovis  judice  iuricapium,
quod  vulgnriter  vare  dicitur,  in  judicio  omni  modo  non  sustineant)  und  dem  Erzbischof ­
  Hildebold  von  Bremen  aus  dem  Jahre  1259  bei  Pufendorf  2,  157  (Nullum
juricapium,  quod  vulgo  vare  dicitur,  coram  advocato  vel  alio  quovis  judice  (cives
Stadenses)  sustinebunt.
110 )  S.  oben  Note  102.
111 )  Vgl.  unten  Note  120.
112 )  S.  den  ersten  Gunstbrief  für  Stade  in  Note  109.
113 )  Entschieden  blos  auf  die  Gefahr  vor  Gericht  beziehen  sich  die  für  den  Send  nach
altem  Soester  Rechte  gütigen  Bestimmungen:  synodus  vero  sine  cavillatione  (et
captiositate  jüngere  Hds.)  est  tenenda  (älteste  Statutarrechte  4  bei  Seibertz  2,  49)
und  :  dey  provest  van  Suyst..  sal.  .den  sent.  .sitten  sunder  seheltword  unde  sunder
vare.  (alte  Soester  Sehrae  5.  1350  bei  Seibertz  3,  389).
***)  Keine  Ausnahme  enthält  der  von  Bischof  Theoderich  bewirkte  Vergleich  zwischen
der  Olmützer  Kirche  und  ihren  Gotteshausleuten  zu  Slavonyn  vom  Jahre  1299  bei
Boczek,  Cod.  diplom.  Morav.  5,  117:  et  de  omni  timore  pene  seu  culpe,  quod
vulgariter  Aneibare  (s.  ane  vare)  dicitur,  in  communi  seu  generali  iudicio  —  i.  e.
panthedinc  —  liberi  debent  esse;  excepto,  si  aliquis  eorum  delinquit  vel  specialiter
excedit,  ille  specialiter  secundum  quod  iustum  fuerit,  puniatur  tarnen  gracia
mediante.
115 )  S.  oben  Note  105.
            
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