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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Gefahr  vor  Gericht  und  im  Rechtsgang.

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dass  die  Partei,  wenn  es  nur  gleich  geschah,  ihren  Platz  verliess,  um
ausserhalb  des  Ringes  ein  kurzes  Gespräch  zu  pflegen.  So  meinte
der  Verfasser  des  Rechtshuches  nach  Distinctionen 88 ),  und  ebenso
dachten  und  urtheilten  die  Schöffen  von  Brünn  89 ).  Ja  es  gab  schon
im  vierzehnten  Jahrhundert  Einzelne,  welche  offenbar  mit  Rücksicht
auf  das  Decendium  des  römischen  Rechtes  behaupteten,  der  Partei,
die  sich  für  beschwert  halte,  käme  eine  Bedenkzeit  von  vierzehn
Tagen  zu.  Allein  diese  Behauptung  war,  so  weit  wir  sehen  können,
nirgends  im  Rechte  begründet 9 »),  und  wurde  auch  von  den  zeitgenössischen ­
  Rechtskundigen  verworfen
Im  Salzburgischen  bildete  der  Siebenereid  wider  Diebe  mit
seinem  vorgeschriebenen  Wortkram  eine  gefährliche  Klippe,  und  gross
war  der  Schaden,  der  durch  die  häufigen  Strandungen  hieran  verursacht
wurde.  „Da  täglich  und  zu  manchen  Zeiten  die  Zeugen  in  den  gedachten
Diebstahlssachen  die  [oben  ö2 )]  genannten  Worte  ganz  und  rechtlich
von  Wort  zu  Wort,  wie  da  vorbegriffen  ist,  nicht  sprechen  und  sich
daran  versäumen,  in  Folge  dessen  ihr  Zengniss  verworfen  wird  und
Diebe  und  für  das  Land  schädliche  Leute  ledig  werden,  und  Bosheit
und  Diebstahl  ungestraft  bleiben,  so  setzen  wir  —  verordnete  Kaiser
Karl  IV.  im  Jahre  1366  —  mit  wohlbedachtem  Muthe,  mit  rechtem
Gewissen  und  vermöge  kaiserlicher  Machtvollkommenheit  für  ein
Recht,  und  wollen  für  uns  und  alle  unsere  Nachkommen  in  dem
Reiche  römischer  Kaiser  und  Könige  ewiglich,  dass  kein  Gezeuge  an
Gerichten  des  Erzbischofs  und  Stiftes  zu  Salzburg,  wo  sie  immer
gelegen  seien,  solche  Worte,  wie  sie  da  vorgeschrieben  stehen,  beim

88 )  IV,  25.  20  a.  E.:  Ile  sal  is  an  der  stad  Iiden  adder  straffen;  doch  mag-  her  czu
stund  gespreches  beten,  czu  hand  vvedder  in  czu  komen.
89 )  Schöffenbuch  n.  68  (Fortsetzung  von  Note  83)  :  imo  si  petit,  deliberatio  est  sibi
concedenda,  utrum  in  sententiam  latam  velit  consentire  vel  ab  ipsa  ad  majorein
audientiam  appellare.
90 )  Eine  achttägige  Frist  wurde  allerdings  im  Dinghofe  zu  Waltelsheim  im  Unterelsass
1612  als  Recht  gewiesen.  S.  Grimm,  Weistli.  1,  752:  wo  es  sache  w r ere,  das  die
huber  urteil  gäben,  darinnen  sich  ein  theil  beschwert  befindet,  so  mag  derseibig
  beschwerte  teil  sich  innerhalb  acht  tagen  an  die  dinkhofsherren  spruch  wol
beruefen  und  appellieren.
91 )  Rechtsbuch  nach  Dist.  IV,  25.  20:  Mannig  man  spricht:  ab  eyn  man  eyn  orteil
findet,  daz  ou  nicht  gerecht  duncket,  he  sulle  uffschub  haben  firzehn  tage  sich  zue
bedencken,  ab  he  daz  orteyl  wulle  liden  adder  straffen;  daz  ist  nicht  recht.
9a )  Vgl.  S.  129.

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