Die Gefahr vor Gericht und im Rechtsgang.
147
dass die Partei, wenn es nur gleich geschah, ihren Platz verliess, um
ausserhalb des Ringes ein kurzes Gespräch zu pflegen. So meinte
der Verfasser des Rechtshuches nach Distinctionen 88 ), und ebenso
dachten und urtheilten die Schöffen von Brünn 89 ). Ja es gab schon
im vierzehnten Jahrhundert Einzelne, welche offenbar mit Rücksicht
auf das Decendium des römischen Rechtes behaupteten, der Partei,
die sich für beschwert halte, käme eine Bedenkzeit von vierzehn
Tagen zu. Allein diese Behauptung war, so weit wir sehen können,
nirgends im Rechte begründet 9 »), und wurde auch von den zeitgenössischen
Rechtskundigen verworfen
Im Salzburgischen bildete der Siebenereid wider Diebe mit
seinem vorgeschriebenen Wortkram eine gefährliche Klippe, und gross
war der Schaden, der durch die häufigen Strandungen hieran verursacht
wurde. „Da täglich und zu manchen Zeiten die Zeugen in den gedachten
Diebstahlssachen die [oben ö2 )] genannten Worte ganz und rechtlich
von Wort zu Wort, wie da vorbegriffen ist, nicht sprechen und sich
daran versäumen, in Folge dessen ihr Zengniss verworfen wird und
Diebe und für das Land schädliche Leute ledig werden, und Bosheit
und Diebstahl ungestraft bleiben, so setzen wir — verordnete Kaiser
Karl IV. im Jahre 1366 — mit wohlbedachtem Muthe, mit rechtem
Gewissen und vermöge kaiserlicher Machtvollkommenheit für ein
Recht, und wollen für uns und alle unsere Nachkommen in dem
Reiche römischer Kaiser und Könige ewiglich, dass kein Gezeuge an
Gerichten des Erzbischofs und Stiftes zu Salzburg, wo sie immer
gelegen seien, solche Worte, wie sie da vorgeschrieben stehen, beim
88 ) IV, 25. 20 a. E.: Ile sal is an der stad Iiden adder straffen; doch mag- her czu
stund gespreches beten, czu hand vvedder in czu komen.
89 ) Schöffenbuch n. 68 (Fortsetzung von Note 83) : imo si petit, deliberatio est sibi
concedenda, utrum in sententiam latam velit consentire vel ab ipsa ad majorein
audientiam appellare.
90 ) Eine achttägige Frist wurde allerdings im Dinghofe zu Waltelsheim im Unterelsass
1612 als Recht gewiesen. S. Grimm, Weistli. 1, 752: wo es sache w r ere, das die
huber urteil gäben, darinnen sich ein theil beschwert befindet, so mag derseibig
beschwerte teil sich innerhalb acht tagen an die dinkhofsherren spruch wol
beruefen und appellieren.
91 ) Rechtsbuch nach Dist. IV, 25. 20: Mannig man spricht: ab eyn man eyn orteil
findet, daz ou nicht gerecht duncket, he sulle uffschub haben firzehn tage sich zue
bedencken, ab he daz orteyl wulle liden adder straffen; daz ist nicht recht.
9a ) Vgl. S. 129.
10 *