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und nicht minder in manchen Gerichten auf sächsischer Erde 83 ).
Auch hier hatte die Forderung, ungesäumt thätig zu werden, ihren
guten Grund. Nur den, welcher sich nicht erst zu besinnen brauchte,
kränkte das Urtheil wirklich als ein Unrecht; nur dieser sollte daher
berechtigt sein, es zu strafen. Allein auch hier war das Recht dem
gesunden Boden entrückt worden und ging auf Stelzen. Dass schon
eine unwillkürliche Bewegung, ein unbedachter Tritt oder blosser
Schritt die Möglichkeit benahm, das beschwerte Urtheil zu schelten,
war eine Spitzfindigkeit, welche die grösste Gefahr in sich schloss.
Und Beifall verdienen diejenigen, welche gleich dem Oberhofe zu Brünn
dieses vermeintliche Recht als eine böse Gewohnheit erkannten und
behandelten ss ). Die Forderung der Unverzüglichkeit bei der Schelte
wurde in minder gefährlicher Weise gedeutet. Die Deutung selbst
war indess nicht überall die gleiche. An manchen Orten verstand
man die Unverzüglichkeit so, dass der Scheltende den Platz, wo er
gestanden, nicht verlassen haben, und keine andere Handlung inzwischen
vorgenommen worden sein durfte. So wurde es gehalten
nach dem Rechte von Goslar 84 ) und Freiberg 85 ), und so lehrten allgemein
von Buch im Richtsteige 8|i ) und Purgold in seinem Rechtsbuche
87 ). An anderen Orten wurde es sogar für vereinbar gehalten,
82 ) Zeugniss dessen ist der Zusatz „uf stapfinden fuze“, d. h. stehenden Fusses zum
Richtsteig Landrechts (a. dem Note 86 a. 0) in der Görlitzcr Handschrift, welche
ausserdem den Sachsenspiegel mit der Glosse und das Weichbild enthält.
85 ) Brunner Schöffenb. n. 68. A sententiis etiam inique latis poterit pars contra quam
feruntur appellare. Et non oportet sicut mala consuetudo multorum habet locorum,
quod appellans iixus stet nec pedem de loco moveat, nisi prius* a sententia lata
appellet. — Ferner findet sich in dem über iglaviensis c. 1.39 (s. Note 61) der
Zusatz: Abolita est illa consuetudo.
84 ) Statuten S. 86, 31. 32; Wer en ordel scheiden wel, dat schal he don Ständer
stede.
8ö ) Statuten XXXI, 32. Schotts. 237: Welch man ein urteil strafen wil der sal iz
tun zu rechte alzuhant als iz geteilt ist. Kumit icht darunder so mac iz nicht gesin
oder get he uz vnde besprichet sich so ist di uolge übergangen, so mac he is nicht
gestrafen zu rechte, iz muz uor sich gehn alz iz geteilet ist.
86 ) C. 49, §. 6: Sculde oc ein en ordel also darna eines anderen twischen gevraget
worde, so vrage, na deme dat hes nicht tu hantne scalt, oft he nu bescelden möge.
So vintme he ne möge
87 ) V, 101: Und wlier ein urtel beschildett, der soll dyweil steen bleiben uff
der stat.