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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

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Die  Gefahr  vor  Gericht  und  im  Rechtsgang.
Rhense  derjenige,  weleher  einen  Schwörenden  zu  den  Heiligen  geleitete ­
  6S ),  „stellt  der  Mann,  wie  er  stehen  soll  ?“
Ein  drittes  Sicherungsmittel  endlich  bestand  darin,  dass  man
ein  Urtheil  erwirkte,  welches  feststellte,  es  solle  ein  Umstand,  der
sonst  Schaden  brächte,  unschädlich  sein.  —  Eine  peinliche  Klage
wurde  bekanntlich  mit  lautem  Gerüffte  erhoben.  Hinsichtlich  dieses
Gerüfftes  rathen  nun  die  Freiberger  Statuten  dem  Kläger:  er  solle
fragen,  ob,  wenn  er  Zeter  oder  Waffen  schreie,  das  eine  wie  das
andere  in  gleicher  Weise  dienlich  sei.  Denn  dies  war  nur  dann
der  Fall,  wenn  es  im  Voraus  durch  Urtheil  so  bestimmt  wurde  64 ).—
Bevor  derjenige,  welcher  nach  dem  alten  Iglauer  Rechte  ein  Urtheil
schelten  wollte,  seinen  unverrückten  Fuss  auf  die  Bank  setzte,  um
dann  laut  zu  erklären:  Herr  Richter,  das  Urtheil,  welches  die
Schöffen  gefunden  haben,  strafe  ich  und  ich  will  ein  besseres  ertheilen
  u.  s.  f.,  pflegte  er  sich  an  den  Richter  mit  dem  Ersuchen  zu
wenden:  „Herr  Richter  ich  bitte  Euch,  wenn  mich  ein  Husten  ankäme ­
  oder  ein  Bedürfniss,  das  soll  mir  unschädlich  sein  an  meinem
Rechte“ 65 ).  In  Anschlüsse  an  dieselbe  Handlung  war,  wie  erzählt
wird,  im  fünfzehnten  Jahrhundert  in  Sachsen  ein  lehnrechtlicher
Brauch  thörichter  Weise  auch  vor  den  Schränken  der  Landgerichte  in
Übung  gekommen,  nämlich,  dass  die,  welche  ein  Urtheil  schelten
wollten,  zuvor  die  Nadeln  von  den  Riemen,  die  Ringe,  alles  Messing,
Eisen  und  Stahl  abschnitten,  es  sei  denn  —  fügt  der  Berichterstatter
hinzu  —  dass  ein  Urtheil  erlangt  worden  wäre,  wonach  sie  es  nicht
thun  dürften 66 ).  Wenn  endlich  bei  einem  Siebenereide  die  sechs

Urtheile  ist  —  unter  Anderm  —die  formelle  Giltigkeit  des  Verfahrens  ...  ln  jener
Beziehung  wird  die  Ungiltigkeit  des  Verfahrens,  die  vare,  die  Gefahr  vor  Verletzung ­
  vermieden.
63 )  Weisthum  von  1456,  Grimm  3,  779.
64 )  Statuten  XXXI,  30  Schott  249:  So  sal  he  uregen,  oh  he  schrie  cetar  oder  waten,
welchiz  he  begrifet,  ab  im  einzicht  glicher  wis  hulfelieh  si,  alse  daz  andere  ?  So
sal  man  teilen,  wen  iz  mit  urteile  bewart  wirdet,  welch  iz  he  denne  schriet  daz
im  daz  hulfelieh  si.  Vgl.  hiermit  eine  alte  Processformel  bei  Mathaeus,  de  iure
gladii  p.  638:  Heer  Rechter  een  Vonnis  (Urtheil)  begeert  Jan,  ofte  hy  stroupelde
in  zyn  woopen  roup,  wes  zyns  verhaels  wesen  sal  met  recht.
65 )  Der  Vorsprecher  (Note  61)  fährt  fort  in  seinen  Fragen:  her  richter  ich  bite
euch  abe  mich  ein  huste  anqueme  oder  ein  amecht,  das  sal  mir  unschedlieh  sein
an  meinen  rechten.
66 )  Informatio  c  speculo  Saxonum  a.  a.  0.  S.  638.
            
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