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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 51. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Gefahr  vor  Gericht  und  im  Rechtsgang-.

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Sie  Hessen  den  einen  durch  den  andern  überbieten.  Mit  dem,  der  am
meisten  zahlte,  fielen  sie  über  den  andern  her,  und  wer  „des  Gerichtes
vare  linde  ires  heren  gemoete“  67 )  etwa  nicht  hätte  lösen  wollen,  der
konnte  vorweg  das  Verfahren  vor  ihren  Gerichten  sein  lassen,  wenn
anders  ihm  um  sein  Leben  und  Gut  zu  thun  war.  So  nahmen  sie  für
die  vare  und  das  gemoete  von  einem  Manne  wohl  zehn,  zwölf  oder
zwanzig  Mark,  ja  die  Hälfte  des  Streitgegenstandes,  auf  das  sie  ihm
Rechtes  halfen  gegen  den  Andern 58 ),  dem  sein  Gut  abgestritten
wurde,  während  der  Gegner  häufig  darauf  gar  kein  Recht  hatte.
Was  half  es,  dass  solchen  Richtern  vorgestellt  wurde,  wie  sie  ihren
Leib  und  ihre  Seele  dem  Teufel  überlieferten,  indem  sie  das  Gericht
Gottes  verkauften,  so  lange  den  Herrn  diejenigen  die  liebsten  waren,
welche  es  am  besten  verstanden,  die  armen  Leute  zu  schinden  und
auszuziehen 59 ).
War  die  Gefahr  des  Gerichtes  ein  öffentliches  oder,  was  gleichbedeutend ­
  im  Geiste  der  früheren  Zeit,  ein  wohlerworbenes  Recht,
so  stellte  sich  die  Gefahr,  welche  den  Parteien  wechselseitig  im

57 )  Gebiisst  wurde  dem  Herrn,  an  dessen  Stelle  der  Richter  sass,  und  den  Urtheilern
oder  Erben.  Vgl.  die  Verhandlung-  in  dem  Meierdinge,  welches  zu  Sarsuin  in  Niedersachsen ­
  1531  gehegt  wurde,  hei  Grimm,  Weisthiimer  3,  242.  240.  —  Gemoete
bedeutet  aber  in  der  westphälisclien  Rechtsspi  ache  neben  Erlauhniss  (vgl.
Weisthum  von  Deuz:  quicunque  intraverit  vinculum,  quod  dicitur  vroynslos  non
exibit  sine  conquisita  licentia,  scilicet  gemüde  advocati  et  seabinorum.  Grimm  3,  3.
Deutsch:  so  wie  in  dat  vroinslos  kumpt,  der  en  sali  daruiss  nit,  id  en  si  mit
urlofle  ind  gemuede  des  vaigts  ind  der,Schelfen.  Grimm  3,  7)  eine  Busse,  die  gegeniibersteht
  dem  Gewette.  Vgl.  ebenda:  Si  quis  reliquerit  in  tantum,  quod  vulnus
apertum  fuerit,recognoscat  Vmarcis  zu  gemude,  et  si  aliquid  aliud  fecerit,  VIII  solidis.
Item  nulla  satisfactio,  que  dicitur  gemude,  poterit  de  Justitia  excedere  wedde
Grimm  3,  3.  Deutsch:  Voirt  so  wie  misdoit,  also  dat  hei  eine  olfenbaire  Avunde
sloige  V  mark  zu  gemuede,  der  sint  3  mark  ind  4  schillink  uns  hern  van  Colne,
ind  20  Schilling  des  vaigts;  ind  missedeit  ieman  iedt  anders,  der  gilt? 1 /«»  schillink
der  sint  5  unsme  hern  van  C.  und  2y 3  schillink  des  vaigts.  Vort  engheine  besseronge,
  die  man  nennet  gemuede,  sali  van  recht  melier  sin,  dan  ein  wedde.
Grimm  3,  7.
58 )  In  wieferne  dies  möglich  war,  darüber  vgl.  Weisthum  zu  Breitenbach  1407,
Grimm  3,  334:  inde  were  ess  auch  Sache,  dass  derselbe  nicht  wolde  sin  eyn  recht
richter,  und  wolde  nicht  fragen  eyme  als  dem  andern,  unde  wolde  dass  lassen  umbe
gunst  adir  umbe  gäbe  adir  umbe  hass  .  .  .
5 ^)  Welk  richter  des  nu  meist  kan  ind  doet  (die  lüde  slippen  ind  villen  wider  got  ind
recht.)  die  is  den  heren  levest.  Informatio  S.  643.
            
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