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Siegel
Da die Sachwalter, wenn sie auch sonst durch Fürsprecher sich
vertreten Hessen, beim Eide seihst reden mussten, so begreift es
sich, dass zu allen Zeiten und überall derjenige, welcher von Geburt
mit dem Gebrechen einer schwachen oder schweren Zunge behaftet
war und lallte, stammelte oder lispelte, sowie derjenige, welcher eine
fremde Mundart redete, beim Schwure nicht unter der Herrschaft des
strengen Rechtes stand. Hier wie dort wurde, sofern nach der Eidesbelehrung
die Thatsache urkundlich festgestellt und die Ausnahme
von der Regel des Rechtes durch Urtheil anerkannt worden war 30 ),
was sonst ein Fehler war, nicht als solcher behandelt 3 '). In Sachen
Heinrich’s wider Konrad, eine Forderung von zehn Mark betreffend,
wurde im Brunner Gerichte zu Recht gesprochen: Wenn ein armer
Mensch, welcher stottert, stammelt, lispelt oder vermöge eines
Zungenfehlers sonstwie nicht deutlich reden kann, schwören soll
und sein Fürsprecher vor dem Schwur diese Thatsache beurkundet,
so wird er, obgleich die Worte nicht gehörig gesprochen wurden,
doch nicht für eidfallig erkannt. Das natürliche Gebrechen oder die
Unfähigkeit, ordentlich sich auszudrücken, entschuldigt oder beseitigt
vielmehr, wie es in dem Urtheile heisst, einen derartigen Fall 3S ). In
Übereinstimmung hiermit bekannten die Sachsen in der Zips: Wir
haben daz zu einem rechten, wer einen eid tut und seinem vorsprecher
Blanc I. c. II, 42 nach Schellwitz a. 0. S. 23 Note e folgende Begebenheit.
Der Advocat Christophorus Layer war wegen der Verschwörung zu Gunsten des
Prätendenten im Jahre 1722 zum Tode verurtheilt worden. Sein Anwalt focht
das Urtheil an. In der Begründung dieser Anfechtung äusserte er unter Anderin :
Mylord, il n’etoit pas possible , que je pusse apporter avec moi toutes mes
autorites sur ce siijet, mais j'ai ici plusieurs des dictionaires et des Iexicons les
meilleurs, qui prouvent que le mot doit etre Christophorus, et je crois que
mes adverses parties ne pourront m’apporter aucum exemple tire d’un livre autentique
Grec ou Latin, ou ce mot ne soit ecrit avec uu o, et non pas avec un e.
C’est Christophorus de ~£(popa, le Prelerit medium du Verbe Grec (ps'po); et les
regles de l'etymologie, et la formation des noms verbaux, prouvent qu’il doit etre
ainsi Orthographie, et qu’il ne peut I’etre autreinent. Dans tous les dictionaires le
mot Latin pour Christophle c’est Christophorus. — Die Anfechtung hatte freilich
keinen andern Erfolg als den, dass der Vollzug des Urtheils verzögert wurde.
8°) Vgl. Brünner Schöffenb. n. 433 a. E., 186 a. E.
31 ) Die Überschrift des Brünner Schölfenurtheils u. 430 lautet: Impedimenlum naturale
excusat casum juramenti ipso jure.
32) Brünner Schölfenb. n. 430.