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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.  729
fassen,  da  die  Bedeutung  der  im  vorausgehenden  Verse  ausgesprochenen ­
  Frage  norspx—<ppsvög  dazu  zwang.
V.  1178  f.
XO.  cL  p.ävu,  rourcog  chg  ccp'  opSov  rjvvactg
Ar.  'hg  tod’  kyo'jzoiv  rsc  11a  ßovliiieiv  nüpa.
Martin’s  und  Nauck’s  Zweifel  an  der  Richtigkeit  des  überlieferten
ßovlEiie’.v  beruht  auf  einer  sonderbaren  Verkennung  dessen,  was  der
Bote  sagen  wollte.  Nachdem  der  Chor  seinem  Schmerze  im  V.  1178
einen  Ausdruck  gegeben  hat,  macht  ihm  der  Bote  bemerklich,  und
zwar  mit  einer  unverkennbar  derben,  vielleicht  volkstümlichen,
Wendung  <),  dass  solche  schmerzliche  Reflexionen  über  das,  was
einmal  geschehen  ist,  unnütz  seien,  und  er  stellt  ihm  vor,  es  gelte
jetzt  vielmehr  räXka  (d.  i.  im  Gegensätze  zu  dem,  was  schon  geschehen ­
  ist,  das,  was  angesichts  dieses  Unglückes  nun  von  seiner
Seite  geschehen  kann  und  geschehen  soll)  zu  erwägen.  Und  was  denkt
sich  der  Bote  unter  täaA«,  unter  dem,  was  der  Chor  in  Erwägung
ziehen  soll?  Gewiss  meint  der  Bote  damit,  der  Chor  solle  sein  Augenmerk ­
  darauf  richten,  dass,  da  das  geschehene  Unglück  nicht  ungeschehen ­
  gemacht  werden  kann,  wenigstens  weiteres  Unglück  verhütet
werde.  Konnte  man  denn  nicht  befürchten,  dass  Kreon  und  Eurydike
in  ihrer  Verzweiflung  sich  auch  das  Leben  nehmen  könnten?  Eurydike
nimmt  sich  ja  auch  wirklich  das  Lehen,  Kreon  wünscht  sich  wenigstens ­
  verzweiflungsvoll  sofortigen  Tod  (1330  ff.).  Der  Chor  sollte
nach  des  Boten  Meinung  darauf  bedacht  sein,  durch  Trostgründe,
vernünftige  Vorstellungen  oder  durch  sonstige  ihm  zu  Gebote  stehende
Mittel  dies  weitere  Unglück,  das  zu  befürchten  stand,  zu  verhüten.
Sehr  verfehlt  wäre  es,  wenn  man  kdpa  in  der  Bedeutung  „es
ist  gestattet“  auffassen  würde,  wie  es  wirklich  ein  Kritiker,  dessen
Beiträge  zur  Kritik  der  sophokleischen  Antigone  sonst  in  hohem  Grade
verdienstvoll  sind,  aufgefasst  hat.  TäAAa  ßovXvjtiv  naoa  heisst  hier

Solche  derbe  Wendungen  finden  sich  bekanntlich  in  den  Äusserungen  der  sophokleischen
  Boten  oft;  so  z.  B.  hei  dem  Wächter  in  unserer  Tragödie,  hei  dem  Boten
im  Aias  u.  s.  w.
            
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