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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

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K  v  i  o  a  1  a

denn  nicht  alles  in  der  besten  Ordnung,  wenn  der  Bote  sagt:  „Kein
Leben,  möge  es  sieb  wie  immer  gestaltet  haben,  möchte  ich  fürder
loben  oder  tadeln,  weil  es  ja  jeden  Augenblick  Umschlägen  kann;  der
Glückliche  kann  vom  Gipfel  seines  Glückes  herabstürzen,  der  Unglückliche ­
  sich  aus  dem  Unglücke  zum  Glücke  erheben“?
Unrichtig  ist  auch  Böckh’s  Auffassung  von  ordvz'  im  Sinne  von
„bestehendDieser  Irrthum  findet  sich  übrigens  auch  bei  Anderen
und  scheint  von  Musgrave  herzurühren,  der  die  Worte  durch  „superstitem
  vitam“  erklärt.  Ähnlich  Jacob:  „ozdvzc/.:  noch  stehend,  nicht
beendet,  in  einem  ähnlichen  Sinne,  wie  Homer  sagt:  rov  d’  iGzccpAvoio
([xrjvog).  Das  nicht  beendete  Leben  eines  Menschen,  wie  es  auch  sei,
möcht'  ich  niemals  weder  preisen  noch  schelten“.  Hartung  übersetzt
eben  so:  „Kein  Menschenleben  möcht’  ich,  weil  es  noch  besteht,  je
glücklich  preisen  weder  (so!)  noch  verwerfen“.  Diese  Erklärer  haben
übersehen,  dass  der  Begriff  „noch  dauerndes,  noch  nicht  vollendetes
Leben“  notliwendig  durch  [azdfxsvog  ßiog  hätte  bezeichnet  werden
müssen;  sie  haben  die  Bedeutung  des  Eintretens,  die  hier  das  Particip
des  Aorists  haben  muss,  nicht  beachtet.
Ehen  so  unmöglich  ist  auch  die  von  Wunder  gegebene,  von
Dindorf  angenommene  Erklärung  ovosig  yap  ßiog  koziv  eure  azdg.  ov
dv  cdvEoaipu,  ovzs  ttsouv,  ov  d.v  [j.e[vpai[xrjv  xozi.  Die  Ergänzung
kcoojv  zu  dem  zweiten  Verbum  ist  hier  eine  absolute  Unmöglichkeit.
Die  Verweisung  auf  El.  72  und  ähnliche  Stellen  nützt  nichts.  Ich
will  den  Beweis,  dass  Wunder  mit  Unrecht  auf  diese  Stellen  sich
beruft  und  dass  diese  Stellen  gemeiniglich  irrig  aufgefasst  werden,
hier  nicht  geben,  um  die  Darstellung  nicht  zu  sehr  zu  unterbrechen,
verpflichte  mich  aber,  denselben  in  den  „Analecta  zur  Elektra  und
Antigone“,  die  ich  zum  Drucke  vorbereite,  zu  liefern.  Übrigens  hat
nie  ein  Grieche  das  kahle  azdg  ßiog  oder  zazr,  ßiog  in  der  von
Wunder  angenommenen  metaphorischen  Bedeutung  (opSög  azdg,
öpSwSsig')  als  Gegensatz  des  metaphorischen  nsaziv  gebraucht.
Die  einzig  richtige  Erklärung  unserer  Stelle  hat  Wex  und  nach
ihm  Schneidewin  gegeben.  Wex:  „'Zzdvza  non  seorsum  dictum  est,
neque  ouolov  est  pro  simplici  onoxg,  sed  simul  complectitur  qualitatis
notionem,  iungendam  illam  cum  errdvza.  ovx  laS'  orcoig  ßiov,  onoxgorjKors
  ffravra,  r;  aiviauip.'  d.v  r,  p.£p.^Kip:r,v  tcoti“.  Von  den  zwei
Beispielen,  die  Wex  für  die  Bedeutung  von  orävra.  anführt,  ist  nur
das  erste  (Etir.  El.  403  itwc  ydp  d.v  jxohg  Tzpoßv.i.vo'j'i'  r,  ri>yr,  oreär.
            
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