720
K v i o a 1 a
denn nicht alles in der besten Ordnung, wenn der Bote sagt: „Kein
Leben, möge es sieb wie immer gestaltet haben, möchte ich fürder
loben oder tadeln, weil es ja jeden Augenblick Umschlägen kann; der
Glückliche kann vom Gipfel seines Glückes herabstürzen, der Unglückliche
sich aus dem Unglücke zum Glücke erheben“?
Unrichtig ist auch Böckh’s Auffassung von ordvz' im Sinne von
„bestehendDieser Irrthum findet sich übrigens auch bei Anderen
und scheint von Musgrave herzurühren, der die Worte durch „superstitem
vitam“ erklärt. Ähnlich Jacob: „ozdvzc/.: noch stehend, nicht
beendet, in einem ähnlichen Sinne, wie Homer sagt: rov d’ iGzccpAvoio
([xrjvog). Das nicht beendete Leben eines Menschen, wie es auch sei,
möcht' ich niemals weder preisen noch schelten“. Hartung übersetzt
eben so: „Kein Menschenleben möcht’ ich, weil es noch besteht, je
glücklich preisen weder (so!) noch verwerfen“. Diese Erklärer haben
übersehen, dass der Begriff „noch dauerndes, noch nicht vollendetes
Leben“ notliwendig durch [azdfxsvog ßiog hätte bezeichnet werden
müssen; sie haben die Bedeutung des Eintretens, die hier das Particip
des Aorists haben muss, nicht beachtet.
Ehen so unmöglich ist auch die von Wunder gegebene, von
Dindorf angenommene Erklärung ovosig yap ßiog koziv eure azdg. ov
dv cdvEoaipu, ovzs ttsouv, ov d.v [j.e[vpai[xrjv xozi. Die Ergänzung
kcoojv zu dem zweiten Verbum ist hier eine absolute Unmöglichkeit.
Die Verweisung auf El. 72 und ähnliche Stellen nützt nichts. Ich
will den Beweis, dass Wunder mit Unrecht auf diese Stellen sich
beruft und dass diese Stellen gemeiniglich irrig aufgefasst werden,
hier nicht geben, um die Darstellung nicht zu sehr zu unterbrechen,
verpflichte mich aber, denselben in den „Analecta zur Elektra und
Antigone“, die ich zum Drucke vorbereite, zu liefern. Übrigens hat
nie ein Grieche das kahle azdg ßiog oder zazr, ßiog in der von
Wunder angenommenen metaphorischen Bedeutung (opSög azdg,
öpSwSsig') als Gegensatz des metaphorischen nsaziv gebraucht.
Die einzig richtige Erklärung unserer Stelle hat Wex und nach
ihm Schneidewin gegeben. Wex: „'Zzdvza non seorsum dictum est,
neque ouolov est pro simplici onoxg, sed simul complectitur qualitatis
notionem, iungendam illam cum errdvza. ovx laS' orcoig ßiov, onoxgorjKors
ffravra, r; aiviauip.' d.v r, p.£p.^Kip:r,v tcoti“. Von den zwei
Beispielen, die Wex für die Bedeutung von orävra. anführt, ist nur
das erste (Etir. El. 403 itwc ydp d.v jxohg Tzpoßv.i.vo'j'i' r, ri>yr, oreär.