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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.  715
Aus  diesen  zwei  Prämissen  nun,  nämlich  dass  V.  1108—1110
auf  Polyneikes’  Bestattung,  dagegen  V.  1112  auf  Antigones  Befreiung
Bezug  hat,  ergibt  sich  mit  Nothwendigkeit  der  Schluss,  dass  innerhalb
dieser  Verse  eine  Lücke  sein  muss.  Denn  wenn  wir  auch  dem  Vers
1112  es  ansehen,  dass  er  auf  Antigone  sich  bezieht,  so  genügt  das
doch  durchaus  nicht;  Sophokles  musste  heim  Übergänge  von  Polyneikes
aut  Antigone  die  letztere  ausdrücklich  mit  ihrem  Namen  oder  doch
mit  xoprj  oder  einem  ähnlichen  Ausdrucke  bezeichnen;  die  Überlieferung ­
  ist  bei  der  Annahme  jener  zwei  Prämissen,  welche  Annahme
nothwendig  ist,  unbeholfen,  unerträglich  und  geradezu  unmöglich.  Die
Lücke  kann  aber  meiner  Ansicht  nach  sowohl  nach  V.  1110,  als  auch
nach  V.  1111  angenommen  werden,  so  dass  in  letzterem  Falle  die
Worte  ineitö)  rriö'  ir:$<7Tpä<pri  die  Umwandlung  von  Kreon's
Gesinnung  in  Bezug  auf  Polyneikes  bezeichnen  würden.  Welche
von  diesen  Annahmen  die  richtige  ist,  lässt  sich  wohl  nicht  entscheiden.
Ist  Hermann’s  Annahme  der  Lücke  nach  V.  1110  richtig,  so  muss  in
den  vor  V.  1111  ausgefallenen  Versen  schon  von  Antigone  die  Rede
gewesen  sein,  so  dass  zu  Eonjaa  jedermann  aus  der  früheren  Bezeichnung ­
  der  Antigone  adrr,v  ergänzen  konnte.  Ist  dagegen  meine  Annahme, ­
  die  ich  zwar  nicht  aus  zwingenden  Gründen  für  entschieden
richtig,  aber  doch  nicht  ohne  Grund  für  wahrscheinlicher  halte,  richtig,
so  hat  die  Erwähnung  der  Antigone  unmittelbar  in  den  vor  V.  1112
ausgefallenen  Versen  stattgefunden.  Zunächst  hat  nämlich  Kreon  nach
meiner  Ansicht  in  V.  1111  und  dem  darauf  folgenden  Verse  (oder
den  darauf  folgenden  Versen)  sich  geäussert:  „Ich  aber,  da  sich
meine  Ansicht  geändert  hat,  will  zur  Leiche  des  Polyneikes  gehen
und  bei  der  Bestattung  persönlich  zugegen  sein  und  sie  leiten“;
hierauf  hat  er  der  Antigone  Erwähnung  gethan,  und  an  den  ausgefallenen ­
  Anfang  dieser  Erwähnung  schloss  sich  der  erhaltene  Vers
a-jrög  r  edr/oa  xrl.  an;  kurz,  ich  vermuthe,  dass  die  Stelle  etwa
folgende  Fassung  haben  konnte:
i'/oj  ö’,  inV.ori  öo£a  rr,o  insarpäipY),
aürig  KpoozlSrüv,  sv$a  IlolvveUov?  vsxvg
xeirat  xuvo<77rdpaxroj,  eil  xpvipca  rdftp
Sslo)  viv  dyvivcu  rv  yjhaavrtocr  xöpr t v
uvr  öf  t'  za:  iraptov  exA6<jop.at

Sitzb.  d.  phit.—hisl.  Ci.  L.  Bd.  IV.  Hi‘t.

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