Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

709

„eine  nicht  ferne  Zukunft  wird  deinem  Hause  (natürlich  =  deinen
Hausgenossen)  Klagen  zu  hören  gehen“,  wie  an  der  erwähnten  aeschylischen
  Stelle  axlmyti  yopu[xa  yatvsrco  arparSp.
c)  Ausserdem  kann  man  auch  tpodveiv  in  der  Bedeutung  „entstehen
machen,  hervorbringen,  verursachen“  nehmen,  wobei  natürlich  der
Dativ  als  gewöhnlicher  Dativ  aufzufassen  ist:  „eine  nicht  ferne  Zukunft
wird  deinem  Hause  Jammerklagen  bringen“  oder  „wird  deinem  Hause
Ursache  zu  Jammerklagen  d.  i.  Jammer  bringen“;  denn  bekanntlich
bezeichnen  Wörter,  wie  yöo?,  xic/.vtj.x,  arovayrj  (lat.  luctus,  im
Deutschen  Jammer  u.  a.)  nicht  selten  das,  was  den  760s  u.  s.  w.
hervorbringt.  Diese  letzte  Erklärung  halte  ich  für  die  wahrscheinlichste. ­

Dass  die  Zeit  hier  personificirt  und  als  Hervorbringerinn  der
xwxüpiara  dargestellt  wird,  während  die  nicht  figürliche  Ausdrucksweise ­
  lauten  würde  oö  iJ.ax.pS>  ypovcp  <pavsirai  x.ojxvp.ara  ooXg  oöp.ocg,
das  wird  natürlich  niemand  aullallend  finden;  solche  Personificationen
der  Zeit  oder  bestimmter  Zeitabschnitte  sind  ja  in  allen  Sprachen
sehr  häufig  und  viele  derselben  sind  ja  auch  sogar  in  der  Prosa  gang
und  gäbe.
Die  Genetive  ävvpSjv  yvvaixSjv  lassen  eine  doppelte  Auffassung
zu.  Entweder  kann  man  sie  als  subjective  Genetive  auffassen  und  mit
Böckli  unter  civäpsg  ywalxeg  „die  Männer  und  Weiher  des  Kreontischen ­
  Hauses“  verstehen,  oder  man  kann  mit  anderen  annehmen,
dass  diese  Worte  mit  absichtlicher  Dunkelheit  auf  Haimon  und  Eurydike ­
  hindeuten 1 );  nur  muss  man  in  diesem  Falle  mit  absoluter
Nothwendigkeit  die  Genetive  als  objective  nehmen:  „Klagen  um
Männer  und  Weiber“.  Es  ist  ein  Irrthum,  wenn  man,  wie  Schneidewin
und  Nauck  thun,  unter  av§pSjv  yvvaixS.iv  Haimon  und  Eurydike  versteht ­
  und  trotzdem  die  Genetive  als  subjective  nimmt  (Schneid,  übersetzt ­
  „die  in  deinem  Hause  sich  erhebenden  Jammerrute  von  Männern
und  Weihern“)  und  auf  1206  (op^itov  xwxupiärwv)  und  1302
(x'jixüaaaa')  hinweist.  Dass  diese  Auffassung  nicht  richtig  sein  kann,
geht,  abgesehen  von  Anderem,  schon  daraus  hervor,  dass  diexcoxO/zar«
Haimon’s  (1206)  gar  nicht  im  Hause  Kreons  sich  erhoben.  Gewiss

O  Diese  Annahme  ist  uni  so  natürlicher,  als  ja  oft  aucli  sonst  hei  den  Tragikern  der
Plural  gebraucht  wird,  trotzdem,  dass  man  nur  an  eine  einzelne  Person  zu  denken
hat.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.