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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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auffassen  wird.  Bei  dieser  letzteren  sophistischen  Auffassung  muss
man  freilich  zugehen,  dass  jene  Worte  keine  Unwahrheit  enthalten,
"'eil  man,  wenn  man  nur  wenige  Kreuzer  hat,  allerdings  das  Nichthaben ­
  vieler  Gulden  von  sich  aussagen  kann.  Wenn  demnach  die
Worte  des  Teiresias  von  Keinem,  der  sie  hört,  nach  Wunder’s
Erklärung  anders  verstanden  werden  können  als:  „es  werden  nicht
viele,  d.  i.  wenige  Tage  vergehen“,  wie  kann  man  da  behaupten ­
  „recte  sic  licuit  vati  dicere,  quamvis  sciret“  etc.?  Nur  dann
könnte  man  diese  Behauptung  gelten  lassen  ,  wenn  man  auch  die
Consequenz,  dass  Teiresias  entweder  spassen  oder  den  Kreon  absichtlich ­
  irre  führen  wollte,  gelten  lassen  könnte.  Gewiss  wird  sich  aber
niemand  mit  einer  von  diesen  beiden  Consequenzen  befreunden
wollen.  —  Ausserdem  zeigt  auch  das  Epitheton  äfullvrfipoig  klar,
dass  wir  nicht  an  Tage  zu  denken  haben;  als  Epitheton  der  Tage
wäre  nämlich  dies  Wort  höchst  unpassend;  denn  man  kann  doch
nicht  behaupten,  dass  «pLi/Uv7rf/p  seine  ursprüngliche  Bedeutung  aufgegeben ­
  hätte  und  hier  hlos  „sehr  schnell“  bedeute.  Dagegen  erscheint ­
  hei  der  anderen  Auffassung  apuXXvjvrjp  als  ein  sehr  treffender
Ausdruck.  Wenn  hei  rpoyjig  aus  der  Bedeutung  „Rad“  sich  metonymisch ­
  die  Bedeutung  „Radumschwung“  entwickeln  konntei),  so
konnten  natürlich  mit  demselben  Rechte,  mit  welchem  die  Räder  des
Sonnenwagens  „mit  einander  wettlaufende“  heissen  können,  auch
die  Umschwingungen  dieser  Räder  „wettlaufende,  wetteifernde“
genannt  werden.
Was  die  Frage  betrifft,  oh  zpoyoug  oder  Tpi-youg  zu  lesen  sei,
so  entscheide  ich  mich  für  das  erstere,  als  das  Wahrscheinlichere,
gehe  aber  zu,  dass  auch  rpioy_ovg,  zumal  mit  dem  Epitheton  äjjuX-)wöpag
  (wodurch  ja  die  Läufe  als  gleichzeitig  stattfmdend  bezeichnet
würden)  zur  Bezeichnung  der  Kreisumdrehungen  der  einzelnen  Räder
gebraucht  werden  konnte.

0  Manche  hallen  sich  freilich  starr  au  die  Bedeutung  „Rad“  und  wollen  die  Möglichkeit
  jener  zweiten  metonymischen  Bedeutung'  nicht  zugeben.  Sie  vergessen
dabei,  dass  solche  Metonymien  sehr  häufig  sind.  Vgl.  Cic.  Pis.  10  ne  tum  quidem,
cum  illum  suum  saltatorium  versaret  orbem,  fortunae  rotam  pertimescebat.  Prop.
2,8,8  Omnia  vertuntur,  certe  vertuntur  amores;  vinceris  aut  vincis;  haec  in
amore  rota  est.  Vgl.  y.vxloc,  z.  B.  Her.  1,  207  v.vyXoc  twv  av3/i037rvjtwv  TTpvj-7j/.arwv
  iari.
            
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