Beiträge zur Kritik und Erklärung des Sophokles.
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auffassen wird. Bei dieser letzteren sophistischen Auffassung muss
man freilich zugehen, dass jene Worte keine Unwahrheit enthalten,
"'eil man, wenn man nur wenige Kreuzer hat, allerdings das Nichthaben
vieler Gulden von sich aussagen kann. Wenn demnach die
Worte des Teiresias von Keinem, der sie hört, nach Wunder’s
Erklärung anders verstanden werden können als: „es werden nicht
viele, d. i. wenige Tage vergehen“, wie kann man da behaupten
„recte sic licuit vati dicere, quamvis sciret“ etc.? Nur dann
könnte man diese Behauptung gelten lassen , wenn man auch die
Consequenz, dass Teiresias entweder spassen oder den Kreon absichtlich
irre führen wollte, gelten lassen könnte. Gewiss wird sich aber
niemand mit einer von diesen beiden Consequenzen befreunden
wollen. — Ausserdem zeigt auch das Epitheton äfullvrfipoig klar,
dass wir nicht an Tage zu denken haben; als Epitheton der Tage
wäre nämlich dies Wort höchst unpassend; denn man kann doch
nicht behaupten, dass «pLi/Uv7rf/p seine ursprüngliche Bedeutung aufgegeben
hätte und hier hlos „sehr schnell“ bedeute. Dagegen erscheint
hei der anderen Auffassung apuXXvjvrjp als ein sehr treffender
Ausdruck. Wenn hei rpoyjig aus der Bedeutung „Rad“ sich metonymisch
die Bedeutung „Radumschwung“ entwickeln konntei), so
konnten natürlich mit demselben Rechte, mit welchem die Räder des
Sonnenwagens „mit einander wettlaufende“ heissen können, auch
die Umschwingungen dieser Räder „wettlaufende, wetteifernde“
genannt werden.
Was die Frage betrifft, oh zpoyoug oder Tpi-youg zu lesen sei,
so entscheide ich mich für das erstere, als das Wahrscheinlichere,
gehe aber zu, dass auch rpioy_ovg, zumal mit dem Epitheton äjjuX-)wöpag
(wodurch ja die Läufe als gleichzeitig stattfmdend bezeichnet
würden) zur Bezeichnung der Kreisumdrehungen der einzelnen Räder
gebraucht werden konnte.
0 Manche hallen sich freilich starr au die Bedeutung „Rad“ und wollen die Möglichkeit
jener zweiten metonymischen Bedeutung' nicht zugeben. Sie vergessen
dabei, dass solche Metonymien sehr häufig sind. Vgl. Cic. Pis. 10 ne tum quidem,
cum illum suum saltatorium versaret orbem, fortunae rotam pertimescebat. Prop.
2,8,8 Omnia vertuntur, certe vertuntur amores; vinceris aut vincis; haec in
amore rota est. Vgl. y.vxloc, z. B. Her. 1, 207 v.vyXoc twv av3/i037rvjtwv TTpvj-7j/.arwv
iari.