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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

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K  v  /  c  a  1  a

V.  1064  ff.
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Für  sicher  sehe  ich  es  an,  dass  unter  rpoyjovg  dp..  17h  oder
rp6/_ovg  dp..  r,\.  (das  erstere  halte  ich  für  wahrscheinlicher)  nicht
Tage  zu  verstehen  sind,  wie  der  Scholiast,  Wunder  u.  A.  meinen,
sondern  Radumschwingungen  d.  i.  (metonymisch)  kleine  Zeittheile,
von  denen  je  einer  zu  einer  Radumschwingung  des  Sonnenwagens
erforderlich  ist,  also  Augenblicke.  Dass  auch  Kreon  und  der  Chor  die
Worte  des  Sehers  in  dem  Sinne  „nicht  viele  Augenblicke  werden
vergehen“  und  nicht  in  dem  Sinne  „nicht  viele  Tage  werden  vergehen“ ­
  auffasste,  zeigt  die  eindringliche  Mahnung  des  Chors  zur  Eile
(1103  f.)  und  Kreon’s  Hast,  die  sich  so  deutlich  V.  1108  f.  abspiegelt.
Wenn  man  ferner  annimmt,  dass  Teiresias  wusste,  das  Unglück  werde
schon  in  der  nächsten  Zeit  über  Kreon  hereinbrechen,  so  begreife  ich
nicht,  mit  welchem  Rechte  Wunder  „curriculo  autem  solis  patet  iter
illud  significari,  quod  sol  conficiat  a  carceribus  ad  metam  usque  currens,
  i.  e.  unius  diei  spatium.  Recte  (?)  autem  sic  licuit  vati
dicere,  quamvis  sciret  intra  brevissimum  tempus  ea
quae  praedicit  mala  eventura  esse“  sagen  und  Dindorf  dies
wiederholen  konnte.  Vielleicht  meinte  Wunder,  dass  der  Seher  sich
so  ausdrücken  konnte,  ohne  wissentlich  eine  Lüge  vorzubringen,  weil
nicht  einmal  ein  einziger  Tag  verging,  folglich  natürlich  auch
nicht  viele  Tage.  Allerdings  würde  von  diesem  Gesichtspuncte  aus
die  Äusserung  des  Teiresias  nicht  eine  trotz  besserem  Wissen  ausgesprochene ­
  Unwahrheit  sein.  Aber  wer  wird  sich  in  solcher  Weise
ausdrücken?  Wer  wird,  um  ein  Beispiel  zu  gebrauchen,  wenn  er  in
seiner  Börse  nur  wenige  Kreuzer  hat,  sagen:  „Ich  habe  nicht  viele
Gulden  in  meiner  Börse?“  So  wird  sich  niemand  ausdrücken,  der
nicht  entweder  spasshaft  reden  oder  einen  Andern  absichtlich  irre
führen  will,  da  er  ja  wissen  muss,  dass  jedermann  jene  Worte  in
dem  Sinne  „ich  habe  nicht-viele  (d.  i.  =  wenige)  Gulden  in  m.  B.“,
nicht  aber  in  dem  Sinne  „ich  hahe-nicht  viele  Gulden  in  m.  B.“
            
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