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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles.

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von  Ausdrücken  aus  derselben  Sphäre  p.7t  tiXr/  p.ar,  ixnstpopng'j.cu
  —  xspuai'vsrs,  ip.no  Xäre)  deutlich  zeigt.  Es  müssen  also  sicher
in  beiden  Sätzen  dieselben  Personen  gemeint  sein;  offenbar  ruft
Kreon  jenen  Personen,  von  denen  er  i^rip.n61r,rai  xdxTtstpoprujTca,
zu:  xeprJaiver’,  ip.no),ärs.  Möget  ihr,  ruft  er,  für  eueren  Verrath
an  mir  (metaphorisch  wird  dieser  Verrath  als  i^epnoX&v,  als  ein
Verhandeln  Kreon's  bezeichnet)  den  reichsten  Lohn  (dieser  wird
mit  einer  vollkommen  entsprechenden,  derselben  Sphäre  angehörigen
Metapher  als  ein  Einhandeln  von  sardischem  Elektros  und  indischem
Golde  hingestellt)  euch  erwerben:  es  wird  euch  doch  nicht  gelingen,
Polyneikes'  Bestattung  zu  erwirken.  Konnte  nun  Kreon  auch  in  der
höchsten  Leidenschaft  von  Antigone  und  Ismene  und  Haimon  sagen
oder  auch  nur  glauben,  dass  sie  ihn  i^np.no)r l xa.ai  und  dass  sie  dafür
xEpdaivoum  und  ip'.noküai  ?  Undenkbar  !  Warum  hat  er  denn  früher,
wo  sein  Zorn  in  der  Unterredung  mit  Antigone  und  Haimon  den
höchsten  Grad  erreicht  bat,  in  dieser  Beziehung  auch  nicht  den
leisesten  Verdacht  laut  werden  lassen?  Was  hat  sich  denn  seither  zugetragen, ­
  was  ihn  auf  die  Idee  hätte  bringen  können,  dass  seine  Angehörigen ­
  bestochen  seien,  dass  z.  B.  Antigone  gedungen  war?  Man
sieht,  wohin  diese  Ansicht  führt.
Es  bleibt  nichts  anderes  übrig  als  anzuerkennen,  dass  Kreon
sage,  er  sei  von  den  Sehern  verkauft.  Die  Mantik  hat  einen  grossen
Einfluss  auf  die  Handlungen  der  Menschen.  Darum  haben  Kreon’s
alte  Feinde  (vgl.  289  äXkot  raOra  xai  nä)cu  noltug  divopsg  p6)ig
yipovTt?  ippoSow  ip.oi)  1 )  längst  (na)ca)  die  Seher,  vor  allen  Teiresias,
  bestochen,  damit  sie  bei  jeder  sich  darbietenden  Gelegenheit
Kreon's  Macht  zu  untergraben  nicht  versäumen  sollten,  weil  sie
glaubten,  Kreon  werde  sieb  nach  den  Aussprüchen  der  Seher  richten. ­
  Die  Seher  glauben  zufolge  ihres  mächtigen  mantischen  Einflusses ­
  Kreon  in  ihrer  Hand  zu  haben,  und  indem  sie  zu  Gunsten  von
Kreon's  Feinden  die  Mantik  missbrauchen,  ihn  wie  eineWaare  denen,
die  sie  bestochen  haben,  verkaufen  zu  können.  So,  und  nur  so,
stimmt  alles  trefflich.  Die  Metapher  ist  vollständig  durchgeführt:
Kreon  ist  die  Waare  in  den  Händen  der  Seher,  die  Seher  sind  die

1 )  Auf  diese  Stelle  hat  Seyffert  (a.  a.  0.)  aufmerksam  gemacht  und  mit  Recht  die
Übereinstimmung  zwischen  7raXca  an  unserer  Stelle  und  xai  7raXa£  V.  289
(wenigstens  durch  den  Druck)  hervorgehoben.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  L.  Bd.  IV.  Hft.  45
            
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