Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 50. Band, (Jahrgang 1865)

688

K  v  !  c  a  l  a

befriedigt.  Hatte  der  Dichter  nun  jene  Absicht,  indem  er  V  1112
Kreon  in  den  Mund  legte,  so  könnte  man  es,  wenn  auch  nicht  tadellos,
doch  begreiflich  finden,  wie  er,  indem  er  jene  Absicht  verfolgte,  das
Unpassende  oder  Unzulängliche  im  V.  1112  übersah.  Übrigens  kann
man  auch  annehmen  —  und  dies  halte  ich  für  das  Wahrscheinlichere  —
dass  der  Dichter  das  Unzulängliche  der  Begründung  nicht  übersah,
sondern  dass  er  absichtlich  Kreon  so  sprechen  liess.  Näheres
darüber  unten  zu  V.  1108  ff.
Die  zweite  Stelle  ist  1103  f.  Saov  7’,  ava£,  Ta.yj.aza..  airjziyvavoi
  yäp  Se&v  nooör/.ug  zovg  y.ay.6<ppovag  ßXäßca.  Der  Dichter  wollte
gewiss,  dass  die  Zuhörer  hei  diesen  Worten  an  die  Befreiung  der
Antigone  denken  sollten.  Wenn  man  den  Ausgang  in  's  Auge  fasst,  so
sieht  man,  wie  wahr  der  Chor,  ohne  es  selbst  zu  wissen,  gesprochen
hat.  Schnell  ist  das  Strafgericht  über  Kreon  hereingebrochen.  Er
betrieb  wohl  d'acv  zayiaza  den  einen  Tlieil  seiner  Aufgabe,  leider
den  zweiten,  und  so  kam  er  zu  dem  ersten  zu  spät.  Hätte  er  äaov
zayiaza  den  ersten  Tlieil  der  Aufgabe  (Befreiung  der  Antigone)  zu
lösen  gesucht,  so  hätte  der  Selbstmord  der  Antigone  und  damit  das
Unglück  Kreon’s  abgewandt  werden  können.  Aber  es  sollte  eben  dem
Kreon  seine  reuige  Umkehr  nichts  nützen,  da  er  zu  den  beiden  ersten
Freveln  auch  noch  den  dritten,  Verhöhnung  des  gottgeliebten  Sehers,
hinzugefügt  hatte.
Habe  ich  die  Intention  des  Dichters,  für  welche  ich  Indicien  in
den  angeführten  Stellen  zu  finden  glaube,  richtig  aufgefasst,  so  lässt
sich  gegen  die  oben  aufgestellte  Auffassung  des  Verses  1062  kein
Bedenken  erheben.  Sollte  aber  jene  Deduction  doch  nicht  stichhaltig
sein,  sollte  nach  Sophokles’  Anschauung  in  dem  Augenblicke,  als
Teiresias  das  Unglück  verkündete,  es  schon  zu  spät  gewesen  sein,
dasselbe  abzuwenden,  auch  wenn  Kreon  sich  mit  dem  Seher  ausgesöhnt ­
  hätte:  dann  würde  eine  Modification  in  meiner  Auffassung  des
Verses  1062  nothwendig  werden.  Während  ich  nämlich  oben  r,or,
erklärt  habe  „jetzt,  wo  ich  bereits  die  Überzeugung  erlangt  habe,
dass  du  dich  von  deiner  Verblendung  nicht  abbringen  lässest  und
dass  du  also  auch  meine  Enthüllungen  dir  nicht  zu  Nutze  machen
wirst“:  müsste  r ; öY ;  in  diesem  Falle  erklärt  werden  „jetzt,  wo  es
bereits  zu  spät  ist  und  wo  du,  wenn  du  auch  durch  meine  Enthüllungen
erschüttert  umkehren  wolltest,  die  Enthüllungen  doch  nicht  mehr  dir
zu  Nutze  machen  und  das  Strafgericht  nicht  mehr  abwenden  könntest“.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.